Dienstag, 11. Januar 2011

Von: KS

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Keywords:
Humanitäre Hilfe | Weltweite Not | Wassermangel | EU-Hilfsprogramme | EU-Direktion ECHO | Kindersterblichkeit
Ruf nach humanitärer Hilfe verstärkt sich massiv

Elend in aller Welt nimmt rasant zu

Wassermangel
Das Problem des Wassermangels verschärft sich. (Foto: EC/ECHO/Christophe Reltien)

Die Bilanz ist genauso bedrückend wie der Blick in die nahe Zukunft. Nur ein Beispiel: Bis zum Jahr 2025 werden – nach dem Stand von Ende 2010 – 50 Prozent der Erdbevölkerung keinen oder nur noch eingeschränkten Zugang zum lebensnotwendigen Wasser haben. Im gleichen Zeitraum wird die Bevölkerung auf diesem Globus um 1,5 Milliarden wachsen. Diese Daten nannte Hansjoerg Strohmeyer vom UN-Amt für die Koordinierung der humanitären Angelegenheiten (OCHA) in einer Sitzung des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe in Berlin. Sein Fazit: Mit dem Volumen der humanitären Hilfe werde auch der Druck auf Politik und Hilfsorganisationen wachsen, schneller, effektiver und koordinierter zu arbeiten.

Die meiste Hilfe geht nach Afrika

Dieser Aufgabe indessen stellt sich die Europäische Union mit ziemlicher Ernsthaftigkeit – und auch mit Erfolg. Die EU ist an allen Unruheherden präsent, so auch im Irak, in Afghanistan, den palästinensischen Gebieten und vielen Teilen Afrikas. Die weltweiten Hilfsmaßnahmen erfolgen zum Teil in Regionen weit weg vom Blickfeld der Weltmedien in so genannten vergessenen Krisenzonen und Gebieten, in denen nach der Beendigung eines Konflikts weiter Instabilität herrscht. Beispiele dafür sind Tschetschenien, Kaschmir, Nepal, Burma (Myanmar) oder auch Kolumbien. Humanitäre Hilfe der EU geht zu mehr als 50 Prozent nach Afrika, zu 20 Prozent nach Asien und Lateinamerika und zu rund 15 Prozent in den Kaukasus, den Nahen Osten oder den Mittelmeerraum. Der Jahresetat für diese Zwecke belief sich in den vergangenen Jahren auf durchschnittlich 700 Millionen Euro pro Jahr.

EU hat eine Führungsrolle

All diese Hilfsmaßnahmen der Europäischen Union werden über die für humanitäre Hilfe zuständige Generaldirektion mit dem Kürzel ECHO abgewickelt. Ihre Aktivitäten spiegeln die zunehmende Ausweitung ernster Krisen in aller Welt. Sie zeigen aber, und das wird weltweit auch anerkannt, die Bereitschaft der EU, bei der Unterstützung von Opfern mit notwendiger Ausrüstung und fachlich gestützter Hilfe eine Führungsrolle zu übernehmen. So hat sich ECHO nach eigenen Worten zur Pflicht gemacht, “Leben zu retten und zu erhalten, Leid zu lindern und die Integrität und Würde der Betroffenen zu schützen”.

In mehr als 100 Ländern im Einsatz

Impfung
Auch medizinische Hilfe wird finanziert. (Foto: EC/ECHO/Claire Barrault)

Soforthilfe, wie sie von der EU koordiniert wird, kann die Bereitstellung von Zelten, Decken oder anderen lebensnotwendigen Gütern wie Nahrungsmitteln, Arzneimitteln, medizinischer Ausrüstung, Wasseraufbereitungssystemen und Kraftstoff umfassen. ECHO finanziert auch medizinisches Personal, Minenräumexperten sowie Maßnahmen in den Sektoren Verkehr und Logistik. Die Aufgaben sind umfangreich, das zeigen andere Daten: Seit dem Jahr 1992 war ECHO in mehr als 100 Ländern rund um den Erdball tätig.

ECHO koordiniert Hilfsmaßahmen

Die Europäische Union und ihr Instrument ECHO können allerdings nicht selbst die erforderlichen Ressourcen mobilisieren, um Soforthilfegüter bereitzustellen, Rettungsteams einzusetzen, Feldlazarette aufzubauen und provisorische Kommunikationssysteme einzurichten. Deshalb finanziert und koordiniert ECHO diese Maßnahmen vor allem, wobei sie sich auf kompetente Partner wie Nichtregierungsorganisationen (NRO), UN-Organisationen und das Internationale Rote Kreuz stützt – beispielsweise, um Nahrungsmittel und Ausrüstung bereitzustellen und Soforthilfeprogramme abzuwickeln.

Flüchtlingshilfe zunehmend gefragt

Soforthilfeprogramme solcher Art sind die eine Seite der Medaille. Die EU und ihre Mitgliedstaaten leisten auch und in zunehmendem Maße Flüchtlingen Hilfe, die aus ihrem Land vertrieben wurden, auch Vertriebenen, die innerhalb ihres Landes oder ihrer Region auf der Flucht sind. Die Maßnahmen der EU sollen ihnen über ihre Notlage hinweghelfen, bis sie nach Hause zurückkehren oder sich in einem anderen Land niederlassen können. Wobei insgesamt in der EU wie in den einzelnen europäischen Ländern die Frage häufig unbeantwortet ist, wie der notwendige Übergang von humanitärer Hilfe zu stetiger Entwicklungszusammenarbeit geschaffen werden könnte. Denn, das betonte auch der UN-Vertreter Hansjoerg Strohmeyer vor dem Bundestagsausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, kurzfristige und langfristige Hilfe müssten Hand in Hand gehen. Er nannte ein erschreckendes Beispiel, die hohe Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren in aller Welt. Täglich würden weltweit 25.000 bis 30.000 Kinder sterben, vor allem an Krankheiten und Hunger. Dies wäre eigentlich ein Thema für “Entwicklungszusammenarbeit”.  

[KS]