Donnerstag, 20. Januar 2011

Von: NP

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Keywords:
AcademiaNet | Wissenschaft | Führungspositionen | Bildungen | Merkel | Karriere | Frauen
Karriere in der Wissenschaft

AcademiaNet – eine Lösung für beide Seiten

AcademiaNet
AcademiaNet – exzellente Wissenschaftlerinnen im Blick. (Foto: Screenshot academia-net.de)

Von der Bildungsexpansion in Deutschland profitieren viele – Kinder können höhere Abschlüsse erreichen als ihre Eltern, der Anteil der Abiturienten ist gestiegen, mehr junge Menschen können ein Studium beginnen und vor allem profitieren auch die Frauen. Eine Karriere à la Haus und Herd gehört nicht mehr automatisch in den Standardlebenslauf und häufig können Frauen die Männer in der Bildung sogar übertrumpfen. Doch in der Berufswelt spiegelt sich diese Kompetenz nicht in vergleichsweise hohen Positionen wieder. Dem statistischen Bundesamt zufolge waren 2007 50 Prozent aller Studienanfänger weiblich und sogar 51 Prozent der Absolventen. Doch dann trennen sich die Wege der Geschlechter – nur noch 42 Prozent der Promovierenden, 34 Prozent des Wissenschaftspersonals, 24 Prozent der Habilitanden und 16 Prozent der Professoren sind weiblich. Die Schere der wissenschaftlichen Karrieren zwischen Frauen und Männern, dass also immer weniger Frauen von der Promotion bis zur Professur zu finden sind, zeigt sich erst nach dem Studienabschluss.

Erklärungsansatz

Darauf könnte auch schon die geschlechtsbezogene Studienfachwahl einen Einfluss haben – wie in einem Beitrag vom Bayrischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung von 2010 angemerkt. So zeigte es sich auch bei PISA, dass geschlechtsbezogene Vorurteile bei den Geschlechtern selbst (!) die Bildungsergebnisse von Jungen und Mädchen beeinflussen, und zwar zunehmend mit steigendem Alter. Liegen die Kompetenzen in Mathematik bei Jungen und Mädchen in der Grundschule etwa gleich, erzielen die 15-jährigen Mädchen deutlich schlechtere Leistungen – so ergeht es den Jungen umgekehrt beim Lesen. Das mag PISA zufolge auch daran liegen, dass gewissermaßen eine selbsterfüllende Prophezeiung vorliegt: “Lesen ist nichts für Jungen”, “Mathe ist nichts für Mädchen”. Das Problem mit der Gleichheit der Geschlechter, das sei an dieser Stelle angemerkt, ist also eines beider Geschlechter. Beide Geschlechter lassen sich von stereotypischen Vorstellungen über das eigene und auch das andere Geschlecht beeinflussen.

Brachliegendes Potential

Und das schlägt sich nieder – in wissenschaftlichen Führungspositionen etwa sind Frauen stark unterrepräsentiert. So sind nur zwölf Prozent der höchstdotierten (!) Professuren (C4/W3) mit Frauen besetzt. Außerhalb der Universitäten findet man nur zirka neun Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt – völlig unverhältnismäßig, vergleicht man das mit den hohen Abschlüssen, die Frauen erlangen. Für die Macher von AcademiaNet bedeutet das ein “brachliegendes Potential für Wissenschaft und Forschung”, so die Robert Bosch Stiftung. Und mit Hilfe aus dem Internet, einem neuen Ansatz im Social Networking nach Xing und Co, soll dieses Potenzial nun genutzt werden!

AcademiaNet – Grundgedanken

Wissenschaftlerin
Wissenschaftlerinnen können sich auf einer professionellen Plattform präsentieren. (Foto: pixelio.de/Martin Gapa)

Denn die Forschungseinrichtungen wünschen sich mehr Frauen in ihren Führungspositionen! Nur fehlen geeignete Instrumente, um diesen Prozess der Besetzung mit mehr weiblichen Kräften zu beschleunigen. AcademiaNet will ein solches Instrument sein – ein Internetportal für herausragende Wissenschaftlerinnen. Entwickelt wurde das Portal von der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Verlagsgesellschaft “Spektrum der Wissenschaft”. Begleitet wird AcademiaNet von großen deutschen Forschungsorganisationen und forschungsnahen Industrieverbänden wie der Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. oder auch der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (MPG).
Sie nominieren anhand fester Kriterien weibliche Forscherinnen für das Portal – so wird die hohe Qualifikation der Forscherinnen gewährleistet und den Wissenschaftlerinnen wird die Möglichkeit geboten, sich auf einer professionellen Plattform zu präsentieren und so ihre Karrierechancen zu erhöhen.

Ziel

Ziel ist auch, dass Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Industrie durch diese Datenbank einen schnelleren Zugang zu Profilen exzellenter Wissenschaftlerinnen bekommen – und das für die Besetzung wissenschaftlicher Gremien, Führungspositionen oder auch für die wissenschaftliche Berichterstattung, die Gestaltung von Konferenzprogrammen oder die Suche nach Experten für gewissen Thematiken. Und so sagt Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung: “Uns ist wichtig, dass Berufungsgremien, Preisjurys und nicht zuletzt die Medien die große Gruppe hervorragender Wissenschaftlerinnen in Zukunft noch stärker beachten. AcademiaNet bietet allen Interessierten einen einfachen Zugang. Den Wissenschaftlerinnen eröffnen wir damit weitere Karrierechancen.”

Freigabe

Und eröffnet wurden diese Chancen am 2. November 2010 von keiner geringeren als einer selbst hoch gebildeten Frau, die es in eine der höchsten Positionen geschafft hat und die wissenschaftlichen Ambitionen zahlreicher Kolleginnen nachzuvollziehen weiß. Und so hielt Dr. Angela Merkel in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bei der Freischaltung des Internetportals fest: “In Deutschland gibt es viele herausragende Wissenschaftlerinnen in allen Fachrichtungen. Sie bei ihrer weiteren Karriere zu unterstützen, ist ein wichtiges Anliegen. AcademiaNet bietet den Wissenschaftlerinnen die große Chance, ihre Kompetenzen noch besser und sichtbarer als bisher in den Wissenschaftsbetrieb einzubringen.” AcademiaNet startete mit 500 Profilen herausragender Wissenschaftlerinnen aller Disziplinen mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum.

Inhalte

“AcademiaNet – exzellente Wissenschaftlerinnen im Blick” ist das erste, was die Seite ihrem interessierten Besucher zeigt – und verweist direkt auf eine Projektbeschreibung und die Gesamtübersicht der Profile, die man mit Suchkriterien filtern kann. Auf so einem Profil, etwa dem der Biologin Dr. habil. Sylvia Krobitsch, findet man dann auf einen Blick den Namen der Organisation, die die Wissenschaftlerin benannt hat (in diesem Fall die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften), Fachgebiete, Spezialgebiete, Forschungsinteressen, Preise und Auszeichnungen, besondere Interessen (etwa an Gutachten, Mitarbeit in Gremien oder an einer Professur wie bei Dr. Krobitsch), Sprachen und Promotions- oder Habilitationsthemen der Wissenschaftlerin. Auch bekommt man Einblick in die Kurzvita (so absolvierte Dr. Krobitsch 1988 ihr Abitur und promovierte bereits 1998), ausgewählte Veröffentlichungen und könnte nach der Anmeldung bei AcademiaNet zu Frau Krobitsch Kontakt aufnehmen, wenn man etwa eine Expertin in Sachen neurodegenerative Erkrankungen braucht.
Mittlerweile gibt es schon 571 solcher Profile, von der Humanwissenschaftlerin Prof. Dr. Rasha Abdel Rahman bis zur Naturwissenschaftlerin Prof. Dr. Gertrud Zwicknagl. Und so ist der Weg für einen leichteren Zugang zu hochqualifizierten Kräften und für diese ein leichterer Weg in die wissenschaftliche Karriere frei gemacht – eine Lösung für beide Seiten.

[NP]

Weiterführende Informationen:
www.academia-net.de