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Googles Versöhnungskurs

- Der Google-Chef Eric Schmidt (Foto: commons.wikimedia.org/ Charles Haynes, CC by-sa 2.0)
Das Audimax in der Humboldt Universität pulsiert. Der Besuch des Google-Chef schwemmt ein Konglomerat von Besuchern in den Hörsaal der Berliner Universität. Studenten, Rentner und Computer-Nerds drängeln sich auf die übrigen Plätze. Nach kurzer Begrüßung des Universitätsleiters betritt Eric Schmidt endlich die schmucklos Bühne.
Eric Schmidt ist Chef von Google, berät Barack Obama in Technikfragen und ist nebenbei Dozent an der Universität Standford. Mit der Ruhe eines Golfspielers lehnt er sich an das Rednerpult. Eric Schmidt ist millionenschwer doch findet man an ihm kein Etikett. Er trägt abgetragenen Slippers und einen Anzug, der eher dem funktionalen Zweck dienlich ist als dem modischen.
Heute ist der Google-Chef im Außendienst unterwegs. Eric Schmidt ist vorbereitet. Im Einstieg seines Vortrags lobt er das, womit sich die Menschen in Deutschland gerne umschmeicheln lassen. Deutschland sei ein Vorreiter und weltweit anerkanntes Innovationszentrum, es stehe für Qualität und herausragende Technologien. Peinlicherweise versagt genau in diesem Moment das Mikrofon. Doch Eric Schmidt rettet gelassen die Situation, witzelt: “Das ist kein deutsches Mikrofon” und erntet erleichterte Lacher.
Mehr Nähe zu Deutschland
Eric Schmidt ist gekommen, um eine Brücke zu bauen, zwischen “denjenigen, die glauben, das Internet sei etwas Schlechtes, und denen, die finden, das Internet sei etwas außergewöhnlich Gutes”.
Selbst davon überzeugt, predigt er mehr Begeisterung für das Internet. Während Google in den letzten Monaten nicht gerade viel Mühe gab, das Vertrauen der deutschen Internetnutzer zu gewinnen, versucht Schmidt binnen einer Stunde wieder mehr Nähe und Verständnis für das Unternehmen zu schaffen. Eric Schmidt gibt offen zu, dass man detaillierte Persönlichkeitsprofile der Nutzer und deren Surf-Verhalten sammele, aber dies mache man doch nur, um den Nutzern das Leben zu erleichtern. Das Mitlesen von privaten E-Mails also aus reiner Menschenfreundlichkeit? Wohl kaum, wenn man bedenkt, dass der Weiterverkauf solcher Daten, kein enormen Anteil der Einnahmequellen von Google ausmacht.
Zudem konnten sich die Nutzer bisher weder davor schützen, dass ihre Daten erfasst werden, noch die gespeicherten Daten einsehen.
Vorne, dritte Reihe, eine adrette Studentin traut sich und spricht Eric Schmidt auf diesen Missstand an. “Man woll sensibler mit den gespeicherten Daten umgehen” entgegnet dieser gelassen, “man arbeite an einem neuen Tool, bei dem die gespeicherten Daten eingesehen und geändert werden können.”
Auch Google Streetview entfachte im Sommer letzten Jahres hitzige Datenschutz-Debatte und stieß in Deutschland nicht gerade auf wohlwollen. Zahlreiche Kritik und Einsprüchen gegen die Veröffentlichung im Netz erschwerten Google die Arbeit in Deutschland.
Google Forschungszentrum in Berlin
Eric Schmidts Rede ist optimistisch, zugänglich und lässt Taten folgen.
Gemeinsam mit der Humboldt Universität will Google ein Institut zur Erforschung der gesellschaftlichen Folgen des Internets aufbauen und im kommenden Jahr 1.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.
Damit wolle man das Verständnis der Verbraucher in Deutschland für das Internet stärken, so Schmidt.
Auch mit Verlagen, denen noch vor wenigen Monaten ein Leistungsschutzrecht seitens Google verwehrt wurde, will Schmidt sich versöhnen. Das neue Bezahlsystem “OnePass” solle diejenigen belohnen, die für einen qualitativ hochwertigen Internetinhalt verantwortlich seien, so der Google-Chef. Google selbst, laut Schmidt, verdiene daran nicht. Lediglich die Kosten wolle man mit 10 Prozent Provision decken. Die Internetnutzer sollen daran gewöhnt werden für Internetinhalte zu zahlen – “you learn people to pay for it”. Der Axel Springer Konzern, Focus und Stern testen das Bezahlsystem bereits.
Mehr Transparenz stärkt Demokratien
Eric Schmidt spart heute nicht mit seinen Worten und lässt in seinem Vortrag die unternehmerische Maxime einfließen. “Google gibt denjenigen eine Stimme, die zuvor keine hatten”, sagt Schmidt und spielt dabei auf die aktuelle Situation in Nordafrika an.
Als in Ägypten das Internet abgeschaltet wurde – “big mistake” - etablierte Google gemeinsam mit “Freunden” von dem Blog Twitter die Möglichkeit, über das Telefon Nachrichten zu veröffentlichen.
Das Internet initiiert Macht und gerade in solch revolutionären Zeiten ist diese essenziell, um mehr Transparenz zu schaffen, sich zu organisieren und die Welt zu informieren.
Unbestreitbar. Doch nicht nur die Meinungsfreiheit ist hierbei wichtig, sondern auch die Ausgewogenheit der Kanäle, die die Informationen verbreiten. Die Auswahl “wichtiger” Informationen, darf nicht von einem bzw. wenigen Unternehmen getroffen werden.
Es ist ja alles schön und gut, was Eric Schmidt einem vom Internet verspricht: Smartphones, die wie Übersetzer funktionieren, selbständig fahrende Autos und “not alone, not bored, never lost” zu sein. Doch wie geht ein Konzern mit so viel Verantwortung um, wo bleibt das Menschsein bei der Rationalisierung vieler Aufgaben durch das Internet? Eric Schmidt hat auch darauf die richtige Antwort, auch wenn diese nicht gänzlich zufriedenstellend ist: “We are giving you choices, no directions” – wir bieten euch Möglichkeiten, keine Richtungen.
[TB]









