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Berliner planen Transrapid auf Teneriffa

- So würde die Magnetbahn auf Teneriffa aussehen. (Foto: Planungsgemeinschaft Maglev Tenerife)
Kein verspäteter Aprilscherz. Der Berliner CDU-Abgeordneter im Europäischen Parlament und Mitglied im Verkehrsausschuss, Joachim Zeller, hat sich die Idee auf der Insel gerade vom Insel-Präsidenten Riccardo Melchior erklären lassen. Geplant wird das ganze von einem Berliner Ingenieurbüro und der TU Berlin. European Circle-Korrespondent Peter Brinkmann hat sich die Machbarkeitsstudie angesehen.
Brief an die Kanzlerin
Teneriffa ist eine Vulkaninsel, Steigungen von mehr als 4 Prozent sind keine Seltenheit. Eisenbahnen brauchen also viele Tunnel, um die Insel zu durchqueren. Von der 120 Kilometer langen geplanten Strecke wären 41 Kilometer Tunnel. Aber wer will schon auf der Insel im Tunnel fahren? Die Touristen wollen was sehen. Und deswegen haben die Zugplaner Strecken mit vielen Brücken eingebaut. Das aber kostet enorm viel Geld. Der Ausweg kam dem Präsidenten der Insel, Riccardo Melchior Avarro, bei einer Diskussion in Berlin während der ITB. Melchior traf sich mit dem Musik Manager Mario Hempel (dieser organisiert das Open Air Classic Festival auf dem Gendarmenmarkt) und dem Berliner CDU-Abgeordneten im EU-Parlament, Joachim Zeller. Zeller ist nicht nur im Verkehrsausschuss des Parlaments, sondern auch im Regionalausschuss, der für die europäischen Inseln zuständig ist. Hempel sagte uns: “Im Gespräch kam uns die Idee mit dem Transrapid. Dann haben wir Kontakt mit dem Konstrukteur, Prof. Bögel aufgenommen und mit Siemens, die den Zug bauen. Seit Frühjahr 2010 hat das Unternehmen Bögl die Federführung in der Akquisitionsarbeit für den Transrapid übernommen. Und binnen eines Jahres entwickelte sich die Idee zum Konzept. Auf der ITB 2011, also vor einigen Wochen, haben wir in Berlin dann einen EU-Lunch gemacht und viele Freunde der Insel eingeladen. Und einen Brief an die Kanzlerin geschrieben.”
Warum Transrapid?
Und so steht nun der Zug unter Dampf... Die Lösung heißt Transrapid. Denn für den Transrapid sind auch höhere Steigungen bis 12 Prozent kein Problem.
Die Techniker und Eisenbahnexperten klärten den Insel-Präsidenten schnell über die Vorteile der Magnetschnellbahn auf. Kurz zusammengefasst sind das: Geringer Flächenbedarf, günstiger Energieverbrauch, geringe Lautstärke, zudem kurze Fahrtzeiten, günstige Kosten und Zuverlässigkeit. Der Transrapid in Schanghai ist noch nie ausgefallen und liegt mir einer Zuverlässigkeitsquote bei allen Schienensystemen in der Welt mit 99 % weit an der Spitze. Und der Zug brauchte wenig Bauzeit. Die meisten Teile sind alle schon vorproduziert. Nichts muss am Zug selbst neue konstruiert werden. Und was den Präsidenten am meisten freuen dürfte – die Berechnungen gehen von einer hohen Attraktivität für Touristen aus. Plus 12 Prozent mehr als jetzt. Wenn das kein Argument ist?
Die Insel
Teneriffa ist 2000 qkm groß mit knapp einer Million Einwohner. In der Saison kommen ca. 5 Millionen Touristen. Teneriffa hat zwei Flughäfen (Norden und Süden), die etwa 65 km voneinander entfernt sind. Was fehlt ist also eine moderne und attraktive Bahnverbindung zwischen Nord- und Süd.
Große Attraktivität
Teneriffa ist schon heute technologietouristisch vielen Ländern voraus. 20 Prozent des benötigten Stroms wird aus Windenergieanlagen und der Sonne gewonnen. Das erste Co2 freie Dorf wurde von Präsident Melchior auf der Insel gebaut.
Zukunftsvision

- Das geplante Streckennetz (Foto: Planungsgemeinschaft Maglev Tenerife)
Schon seit Jahrzehnten tüfteln die Macher auf der Insel an Eisenbahnprojekten. Die erste dokumentierte Studie stammt aus dem Jahre 1889. Nach Gesprächen der deutschen Bau- und Systemindustrie im Jahre 2010 mit dem Insel-Präsidenten, Herrn Ricardo Melchior Navarro, wurde im November 2010 die Planungsgemeinschaft Maglev Tenerife (PMT) gegründet, um eine “Machbarkeitsstudie” zu erarbeiten. An dieser Studie, die im Frühjahr vorgelegt werden soll, ist Prof. Peter Mnich beteiligt, Geschäftsführer der Berliner “Institut für Bahntechnik GmbH” und Leiter des Fachgebiets “Betriebssysteme elektrischer Bahnen” an der Fakultät V der TU Berlin. Partner in der Planungsgemeinschaft „Maglev Tenerife" ist das Ingenieurbüro Vössing Düsseldorf. Seit Februar 2011 wird nun gedacht, gezeichnet und gerechnet.
Maglev Tenerife
Bei der Machbarkeitsstudie Maglev Tenerife (Phase 1) handelt es sich um weiterführende und ergänzende Untersuchungen zu den noch laufenden Studien für den Einsatz der Eisenbahn-Technik auf einer nördlichen Trasse von etwa 40 km und auf einer nach Süden verlaufenden Trasse von etwa 80 km Länge auf Teneriffa. Beide Streckenuntersuchungen für die Eisenbahn weisen einen unterschiedlichen Planungsstand auf und sind bisher weitgehend als getrennte Streckenuntersuchungen von INECO bearbeitet worden. Die wesentliche Vorgabe ist dabei, dass sich die ermittelten Investitionskosten für die Gesamtstrecke einer Vorzugsvariante in der Größenordnung von etwa 3 Mrd. EUR belastbar nachweisen lassen. Dieses Ziel soll im Wesentlichen durch eine deutliche Reduzierung der Tunnelanteile und eine stärkere Bündelung der Trasse mit der Autobahn, wo zweckmäßig durch Nutzung des Mittelstreifen und Minimierung des gesamten Trassenflächenbedarfes unter Ausnutzung der systemspezifischen Trassierungsparameter der Magnetschnellbahn Transrapid, erreicht werden.
So soll es aussehen
Die Magnetschnellbahn Transrapid stellt eine umweltfreundliche, schnelle und leistungsfähige Verbindung von etwa 120 km Länge mit insgesamt 13 Stationen dar; je fünf Zwischenstationen auf der Nord- und Süd-Strecke und drei Endstationen in Los Realejos (Ende der Nordstrecke), in Las Americas (Costa Adeje, Ende der Südstrecke) und in der Hauptstadt Santa Cruz. Diese Strecke verbindet alle wichtigen Zentren auf der Insel, insbesondere den Norden mit dem Süden und beide Inselteile mit der Hauptstadt Santa Cruz sowie die beiden für die Insel lebenswichtigen Flughäfen. Diese Strecke soll ein integraler Bestandteil des Öffentlichen Verkehrs auf der Insel (derzeit nur Bus und Tram) werden und wird in den Gesamtverkehrsplan der Insel eingebunden.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3 Milliarden Euro
Pro Jahr sollen dann bis maximal 18,9 Mio. Personen befördert werden. Im Regelbetrieb wird auf der Südstrecke eine betriebliche Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h und auf der Nordstrecke 230 km/h gefahren. Da auf der Südstrecke sich ein Stationsabschnitt von etwa 40 km Streckenlänge befindet, ist eine De- monstrationsgeschwindigkeit von mindestens 400 km/h möglich. Kosten für Streckenbau, Züge, Bahnstationen alles zusammen werden auf 3,109 Mrd. Euro geschätzt.
“Teneriffa drängt auf den Bau der Magnetschwebebahn Transrapid”, sagte nach einem Besuch der Insel der Europa-Abgeordnete Joachim Zeller. “Zur Lösung der Verkehrsaufgabe auf Teneriffa gibt es zu einem modernen und umweltfreundlichen Bahnsystem Transrapid keine Alternative”, sagte Melchior zu den Politikern. “Die kleine Insel vor der afrikanischen Küste ist Vorreiter in Sachen Innovation und setzt seit Jahren auf erneuerbare Energien und eine nachhaltige Entwicklung”, kommentierte Joachim Zeller (CDU). “Es handelt sich bei der Magnetschnellbahn Transrapid um eine zukunftsweisende Technik, von der sich einige bereits zu früh verabschiedet haben”, so Zeller. “Der Transrapid wird das Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts.”
Geld aus Berlin
Ob Verkehrsminister Peter Ramsauer allerdings Geld auch für den Bau des Zuges in Teneriffa ausgeben will, ist bisher unsicher. Denn wenn der Transrapid in Teneriffa fahren würde, wäre dies eine ideale Vorzeigestrecke in Europa. Mario Hempel, der inzwischen als Berater für den Präsidenten Melchior engagiert ist, sagte uns: “Wir haben am 12. April 2011 einen Brief an Kanzlerin Angela Merkel und Verkehrsminister Peter Ramsauer geschrieben. Mal abwarten, wie die reagieren.”
Ob Berlin überhaupt reagiert? Manche sagen ganz einfach: Das ist eine blöde Schwachsinnsidee. Andere aber meinen, dass es ganz prima wäre. Mal sehen, wann der Transrapid dann tatsächlich auf der Bahn ist. Für Deutschlands Bahnindustrie wäre es ja nicht schlecht.
[PB]









