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Demografischer Wandel in Europa

- In Deutschland bekommt jede Frau 1,6 Kinder (Foto: commons.wikimedia.org/ Heinz Albers, CC by-sa 3.0)
Doch innerhalb der Mitgliedstaaten ist die Entwicklung höchst unterschiedlich und auch eine insgesamt vergreisende Gesellschaft könnte sich Global noch behaupten.
Obwohl sich innerhalb Europas ein leichter Trend zum Kind abzeichnet, werden die Bevölkerungszahlen insgesamt sinken. Der Demografiebericht ermittelt im Querschnitt aller Mitgliedstaaten eine Geburtenrate von 1,6 Kindern pro Frau. Das ist eigentlich erfreulich, zeigt sich hier doch ein leichter Anstieg und damit ein Trend zum Kind. Um aber die aktuellen Bevölkerungszahlen von rund 500 Millionen Menschen in der EU zu halten, müsste die Geburtenrate deutlich höher liegen - etwa bei 2,1 Kindern je Frau.
2011 gehen erstmals mehr Menschen in Rente als arbeiten
Die Auswirkungen sind groß. Arbeitskräfte werden knapp. Neue Anforderungen und Prioritäten nehmen Einfluss auf die kommende Wirtschafts-, Gesundheits- und Bildungspolitik. Zum Beispiel im Bereich Wohnen - vor allem altersgerecht muss es in Zukunft sein, denn die Europäer des Jahres 2060 sind im Schnitt viel älter als heute. Und obwohl in 19 Mitgliedstaaten die Einwohnerzahlen voraussichtlich wachsen werden - ist der Gesamttrend hin zu “die Alten werden mehr und die Jungen werden weniger” nicht aufzuhalten.
Wird Deutschland zu einem Altersheim Europas?
Vieles spricht dafür. Seit 1972 sterben in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen als geboren werden. Mit rund 44 Jahren ist das Durchschnittsalter in Europa nirgends höher als in Deutschland. Eine Umkehr des Trends ist dabei nicht in Sicht. In den kommenden 30 Jahren wird Deutschland rund 5,5 Millionen Menschen verlieren, so die Prognose des aktuellen Demografieberichtes für die EU. Maßnahmen der deutschen Regierung um junge Familien finanziell zu unterstützen, z.B. mit Eltern- und Kindergeld, konnten bisher die fortschreitende Vergreisung der Deutschen nicht aufhalten.
Große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten
Europameister im “Kinder kriegen” ist Irland. Die Iren nehmen mit über zwei Kindern pro Frau und fast 17 Geburten auf 1.000 Einwohnern den Spitzenplatz bei den jungen Bevölkerungen Europas ein. Der Altersdurchschnitt dort liegt nur bei rund 34 Jahren und die Bevölkerung wächst jährlich um ein Prozent. Ähnlich positiv ist die Entwicklung in England, Schweden Frankreich und Luxemburg. Die Luxemburger
werden 2060 voraussichtlich die jüngste Bevölkerung Europas sein.
Politische Machtverhältnisse verändern sich
Deutschland wird 2060 nur noch rund 70 Millionen Einwohner haben. Großbritannien und Frankreich werden die bevölkerungsreichsten Mitgliedstaaten sein. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die politischen Machtverhältnisse, denn sogenannte Mehrheitsbeschlüsse in der EU müssen zugleich mehr als 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Gleichzeitig ist absehbar, dass Staaten mit einer überalterten Gesellschaft andere politische Interessen verfolgen als jüngere.
Wie geht die Europäische Kommission damit um?
Zukünftig werden Länder wie Deutschland mit einem hohen Anteil älterer Menschen zunehmend steigende Kosten für altersbezogene Aufwendungen verspüren. Die Kommission wird sich dem nicht entgegenstellen, zum Beispiel durch einheitliche Gesetze. So ist ein gemeinsames Renteneintrittsalter für Alle ebenso unwahrscheinlich wie ein gemeinsames Rentensystem, dass auf staatenübergreifende Umverteilung setzt. Die Bürger selbst werden sich entscheiden müssen ob sie im Alter weniger Einkommen haben, höhere Beiträge zur Altersvorsorge zahlen oder länger arbeiten.
Die Antwort der EU heißt “Euro-Plus-Pakt”
Im März 2011 beschloss die EU den Euro-Plus-Pakt, an dem fast alle EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind. Zentrale Maßnahme ist unter anderem eine Angleichung der Rentensysteme an die jeweils nationale demografische Situation, zum Beispiel durch Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Darüber hinaus sollen Vorruhestandsregelungen begrenzt und Anreize für die Beschäftigung Älterer geschaffen werden - insbesondere der Generation “55 Plus”. Aber alle Rentensysteme sind immer auch mit der individuellen Wirtschaftsleistung verbunden.
Hohes Wirtschaftswachstum trotz alternder Gesellschaft
Unter diesen Vorzeichen wurde die europäische Wirtschaftsstrategie der Zukunft, die
Agenda 2020, entwickelt. Die Strategie 2020 geht davon aus, dass die Erwerbsbevölkerung in Europa infolge der demographischen Entwicklung schrumpft. Der vorliegende Demografiebericht hat diese Tendenz für die EU bestätigt. Es muss also darum gehen mit der vorhandenen, verbleibenden Erwerbsbevölkerung, ein größtmögliches Wirtschaftswachstum zu erzielen.
Beschäftigungsfähigkeit erhalten und ausbauen
Zukünftig wird eine kleinere Anzahl von Erwerbstätigen eine immer größer werdende Zahl von Älteren, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, unterstützen müssen. Beschäftigung zu erhalten und wo noch nicht hinreichend vorhanden auszubauen, steht deshalb über Allem. Zusätzlich müssen überall dort, wo die Last des Renten- und Gesundheitssystems durch den Staat nicht mehr zu tragen ist private Vorsorge und Betriebsrentensysteme gestärkt werden.
Bildungsniveau erhöhen
Aktuell verfügen in der EU rund 80 Millionen Menschen nur über geringe oder grundlegende Qualifikationen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen zum Erhalt der eigenen Beschäftigungsfähigkeit rasant. Zum Beispiel wird die Zahl der Arbeitsplätze für Hochqualifizierte bis 2020 um 16 Millionen steigen.
Hier droht eine Schere auseinanderzugehen, die nur durch Bildung geschlossen werden kann. Menschen im erwerbsfähigen Alter müssen häufiger als bisher von Angeboten des lebenslangen Lernens Gebrauch machen können. Wenn das gelingt, ist viel erreicht, damit auch eine alternde Gesellschaft sich Global behaupten kann.
Weitere Informationen zum aktuellen Demografiebericht auf dem Portal der Europäischen Kommission. (http://ec.europa.eu/social/main.jsp?langId=de&catId=502&newsId=1007&furtherNews=yes)
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