Donnerstag, 23. Juni 2011

Von: HP

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Keywords:
Studenten | Umfrage | Ausland | Allensbach Institut für Demoskopie
Auslandskarrieren stehen hoch im Kurs

Was Studierende denken

Ergebnis der jüngsten Umfrage des Allensbach Institutes: Studenten sind mit den Studienbedingungen in Deutschland zufriedener als gemeinhin angenommen. (Foto: commons.wikimedia.org/Psy student123)

Rund 3.000 Studenten bewerteten ihre Studienbedingungen, machten Verbesserungsvorschläge und äußerten sich zum nationalen Stipendienprogramm der Bundesregierung. 

Für Überraschungen sorgten die Ergebnisse der Untersuchung, die im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerkes durchgeführt wurde. Die Studienbedingungen in Deutschland werden von den Studierenden sehr viel besser eingeschätzt als gemeinhin angenommen. Aber der Wunsch nach dem Studium die Karriere im Ausland zu beginnen, wächst. 

Zufriedene Studenten

Kaum zu glauben. Zu präsent sind noch die Bilder protestierender Studenten auf deutschen Straßen. Sie protestierten nach der Umstellung von tradierten Studiengängen ins europäische Bachelor- und Master-Modell gegen überfrachtete Studienpläne und zu großen Zeitdruck. Doch die jüngsten Ergebnisse der vorliegenden Studie des Allensbach Instituts zeichnen ein anderes Bild. Über 70 % der Studierenden bewerten heute ihre eigenen Studienbedingungen als ‘sehr gut‘ oder ‘gut‘. 

Neue Bundesländer auf dem Vormarsch

Studentendemonstration
Noch 2005 demonstrierten Studenten gegen zu hohe Studiengebühren und zu hohen Zeitdruck, wie hier vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht (Foto: commons.wikimedia.org/Kristian Koch, CC by-sa 3.0)

Diese “neue“ Zufriedenheit erstreckt sich durch alle Bildungsschichten. So äußern sich auch Studierende aus Arbeiterfamilien oder bildungsfernen Elternhäusern überwiegend zufrieden mit ihren Studienbedingungen. Im Ost/West-Vergleich wird deutlich: Die neuen Bundesländer haben nicht nur aufgeholt, sondern überflügeln hier sogar die West-Länder. Die Zufriedenheit mit den eigenen Studienbedingungen ist in Ost-Deutschland höher als in West-Deutschland.

Karriere im Ausland ist begehrt

Auf die Frage gegenüber Studierenden, ob sie vor haben, nach dem Studium im Ausland zu arbeiten oder ob das für sie zumindest in Frage käme, äußerten über 50% die Bereitschaft im Ausland beruflich tätig zu sein. Weitere 13% haben es sogar fest vor. Dabei ist der Wunsch die eigene Karriere im Ausland zu beginnen vor allem bei Stipendiaten und denjenigen Studenten ausgeprägt, die ihre eigenen Studienleistungen als besonders gut einschätzen. So hat z.B. jeder vierte der Stipendiaten fest vor im Anschluss an sein Studium ins Ausland zu gehen.

Was zieht Studierende ins Ausland?

Es macht einen Unterschied, wie lange man im Ausland bleiben möchte und aus welchen Motiven heraus eine Karriere im Ausland angestrebt wird. Die Studie liefert hier ein klares Bild. Wer auf Dauer im Ausland arbeiten will, erhofft sich vor allem bessere Verdienst- und Aufstiegschancen. Auch die erwarteten Arbeitsbedingungen werden in solchen Fällen besser eingeschätzt als in Deutschland. Wer aber nur für kurze Zeit in fremden Ländern arbeiten möchte, will vor allem Auslandserfahrungen sammeln. Gut für den hiesigen Arbeitsmarkt, denn jeder wird gebraucht.

Fachkräftemangel nimmt zu

Der deutschen Wirtschaft mangelt es vor allem an Fachkräften im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (die sogenannten MINT-Berufe). Im Mai 2011 wurde hier nach Informationen vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ein neuer Rekordstand erreicht. Es fehlen allein dort rund 150.000 qualifizierte Fachkräfte. Allen voran Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge. Dieser Arbeitsmarkt sei nahezu “leergefegt“.

Frühe Kontakte zur Wirtschaft werden aktiv gesucht

Mehr als zwei Drittel aller Studierenden arbeiten neben dem Studium. Sie sind auf das zusätzliche Geld zur Finanzierung ihrer Ausbildung angewiesen. Doch es geht um mehr. In der Studie geben rund 35% der Befragten an, dass es ihnen auch darum geht erste Berufserfahrungen zu sammeln und weitere 24% gehen arbeiten, weil sie hierdurch erste Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern aufbauen wollen. Dabei wird deutlich: Studienpläne sind noch immer zu weit weg von der Wirtschaft. Nur jeder zehnte Student gibt an, dass eine berufliche Tätigkeit innerhalb des Studiums ein verpflichtender Teil seines Studienplans sei.

Düstere Aussichten

Studenten
Noch immer klagen Studenten über eine zu schlechte Informationspolitik bei der Stipendienvergabe. Zudem überwiegen bei den Befragten persönliche Zweifel über eigene Studienleistungen. (Foto: commons.wikimedia.org/Shane Wenzlick, CC by-sa 3.0)

In einer offenen Ermittlung ohne irgendwelche Antwortvorgaben wurden die Studierenden danach gefragt, was ihrer Meinung nach getan werden müsse um die Studienbedingungen in Deutschland weiter zu verbessern. Im Ranking der meistgenannten Vorschläge steht der Wunsch, die Studiengebühren abzuschaffen, ganz weit vorn. Darüber hinaus wünschen sich die Studenten mehr Lehrpersonal, eine bessere Ausstattung ihrer Hochschulen und eine weitere Überarbeitung des eingeführten Bachelor-Master-Systems. Alarmierend aber ist, dass nur 16% davon ausgehen, dass sich die Studienbedingungen in den nächsten Jahren tatsächlich verbessern werden.

Nationales Stipendienprogramm wenig akzeptiert

Die vorliegende Studie zeigt: Nur 17 % halten das Auswahlverfahren bei der Stipendienvergabe für ‘gerecht‘ und 80 % der Studierenden haben sich noch nie um ein Stipendium beworben. Seit 2010 sollten mithilfe des von Bund und Ländern beschlossenen “nationalen Stipendienprogramms“ jährlich bis zu 160.000 Studierende finanziell unterstützt werden. Dieses Stipendienprogramm sollte dazu beitragen einer steigenden Zahl von Studienberechtigten ein hochwertiges Studium zu ermöglichen. Aber es wird wenig akzeptiert. Zu oft wurde wohl in der Öffentlichkeit von Eliteförderung gesprochen und der Eindruck vermittelt, ein Stipendium sei praktisch unerreichbar.

Stipendienvergabe ist wenig transparent

Ausreichende Informationen zu beschaffen, um ein Stipendium beantragen zu können, ist für mehr als jeden zweiten schwierig. Darüber hinaus dominieren die Zweifel, ob die eigenen Schul- bzw. Studienleistungen überhaupt für eine Bewerbung ausreichen. Das Auswahlverfahren wird insgesamt als zu aufwendig und kompliziert empfunden. Darüber hinaus sprechen sich Studenten dafür aus, neben den Noten auch Aspekte wie die Persönlichkeit oder das soziale Engagement des Bewerbers bei der Stipendienvergabe stärker zu berücksichtigen als bisher.

Festzuhalten bleibt, dass die Untersuchung trotz der insgesamt positiven Einschätzung vorhandener Studienbedingungen in Deutschland so manche Kehrseite deutlich macht. Weitere Informationen zur Allensbach Studie im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerkes finden Sie hier

[HP]