Freitag, 22. Juli 2011

Von: TK

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Keywords:
Rupert Murdoch | Leo Kirch | News of the World | Abhörskandal
Murdoch und Kirch gehören zu einer aussterbenden Spezies

Der Fall des Murdoch-Imperiums

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch steht unter Dauerfeuer wegen des Abhörskandals
Der Medienunternehmer Rupert Murdoch steht unter Dauerfeuer wegen des Abhörskandals um das eingestellte Blatt "News of the World" in Groß-Britannien (Foto: commons.wikimedia.org/ Guérin Nicolas, CC by-sa 3.0)

Der alte Mann wirkt nicht mehr wie von dieser Welt, die Rolle des mondänen Schurken hätte in einem James-Bond-Film nicht besser besetzt werden können. Der Privatjet dreht ab, Rupert Murdoch entschwindet, an der Legende wird weiter gesponnen. Die Affäre um den Medienunternehmer ist allerdings keine Gefahr für die globale Welt. Murdoch wird zum Teufel hochstilisiert, von den Medien, die jetzt den Spieß umdrehen, Murdoch selbst wird zur Sensation.

Dinosaurier der Medienwelt

Kriminelle Machenschaften in einem Unternehmen sind unverzeihlich und müssen geahndet werden. Ähnliche Fälle von illegalen Methoden gab es aber auch in anderen Konzernen und Branchen. Der Trieb nach einem Wettbewerbsvorteil und der eigenen Karriere bringt solche Auswüchse, denen natürlich Einhalt geboten werden muss. Im Falle Murdoch kommen etliche fatale Fehlinvestitionen dazu. Das sind die Freiheiten und Risiken eines Unternehmers. Ein anderer Vertreter dieser aussterbenden Spezies liegt aufgebahrt in München: Leo Kirch hat seinen Kampf nicht mehr zu Ende gebracht. Eine ganze Reihe von glücklosen Entscheidungen und Ereignissen haben sich verkettet und den Dinosaurier des deutschen Privatfernsehens erledigt. Sein Unternehmen wurde Beute von Spekulanten und seelenlosen Investment-Gruppen.

Programm ohne politischen Proporz

Von dem mutigen Versuch "ohne geschenktes Geld", so Kirch über die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Anstalten, ein Programm ohne politischen Proporz zu machen, sind nur noch Fragmente übrig. ARD und ZDF bekommen jährlich mehr als 8 Milliarden Euro und besetzen den deutschen TV-Markt, allein RTL schafft es noch mit Show und Unterhaltung akzeptable Gewinne zu erwirtschaften. Die einstigen journalistisch-geprägten Programme von n-tv und N24 sind in weiten Teilen nur noch ein Schatten ihrer selbst. Murdoch und Kirch sind auf ihre Art Pioniere und kantige Unternehmertypen, die natürlich keine sozialistische Genossenschaftspolitik verfolgten, ebenso wenig wie die erfolgreiche Bild-Zeitung dies tut. Ihre gemeinsame Bühne ist der Boulevard-Journalismus mit einem Millionenpublikum. Schmäh und Spott kommen dafür von den sich intellektuell gebenden Medien, denen inzwischen ihre Leser und Zuschauer in bedrohlicher Anzahl schwinden.

Medienzensur der Neuzeit

Ob allerdings das durch die Woche pilchernde Soap-Programm des ZDF beispielsweise zur Stärkung des journalistischen Angebots beiträgt darf bezweifelt werden. Durch politische Platzierungen und die Beschneidung politischer Programme wirken die öffentlich-rechtlichen nicht wirklich unabhängig. Journalismus muss auch unbequem sein können, er muss an seine Grenzen gehen dürfen. Anders als es die RTL-Tochter jüngst in Ungarn erfahren musste. Dort wird die Pressefreiheit abgeschafft, im Europa des 21. Jahrhunderts, will die politische Führung entscheiden, wer die Menschen informiert. In Deutschland ist die Pressefreiheit im Grundgesetz garantiert, das Recht auf das unzensierte Veröffentlichen von Informationen und Meinungen, und eine freie Meinungsbildung. Ohne freie und unabhängige Medienunternehmen mit Mut zum Risiko bleibt das aber nur eine leere Hülse. Mehr Vielfalt bei den Angeboten bedeutet mehr Informationen, aus denen sich die Leser und Zuschauer ihre Meinung bilden können. Niemand ist gezwungen den Murdoch-Sender Fox oder die Tagesschau einzuschalten, aber die freie Wahl es zu tun, die muss es geben.

[TK]