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Fußballerstreiks sorgen für Ärger

- Die europäischen Fußballfelder sind leer: In Italien und Griechenland sind Fußballerstreiks ausgerufen worden und die Spiele der obersten Spielklassen ganz oder zum größten Teil ausgefallen. In Spanien konnte ein Ausstand erst in letzter Minute verhindert werden. (Foto:Verena N./pixelio.de)
Der römische Kaiser Trajan hat Massenunterhaltungen besonders gepflegt, wusste er doch, dass das römische Volk besonders durch “Brot und Spiele” (panem et circensis) bei Laune gehalten werden konnte. Die circensischen Spiele des 21. Jahrhunderts sind – besonders im Süden Europas – der Fußballsport. Hier aber gibt es neuerdings gesellschaftliche Brüche, die einerseits hervorgerufen worden sind durch wachsenden Mangel an “Brot” fürs tägliche Leben und andererseits dadurch, dass die Akteure der modernen Zirkusspiele maßlos geworden sind. Da tut sich eine Kluft auf und der Unmut in der Gesellschaft wächst.
Vereine konnten Gehälter nicht mehr zahlen
Aktuelles Beispiel der besonderen Art: In den letzten Augusttagen 2011 sind in Italien und Griechenland Fußballerstreiks ausgerufen worden und die Spiele der obersten Spielklassen ganz oder zum größten Teil ausgefallen. In Spanien konnte ein Ausstand erst in letzter Minute verhindert werden. Ärger und völliges Unverständnis waren die Resonanz. In Italien und Spanien zuvorderst: Da kam es zur Androhung des Ausstandes, weil den kickenden Millionären von den Vereinen entweder das Salär nicht ausgezahlt werden konnte oder die Fußballer sich weigerten, neue staatliche “Solidaritätssteuern” zu zahlen.
Milliardensummen werden umgesetzt
Gleichzeitig gab es auf dem gesamteuropäischen Transfermarkt für Fußballer neue Rekordzahlungen, die für den Normalbürger mit bescheidenen Einkünften verstörend wirken mussten. Die fünf großen europäischen Fußball-Ligen haben allein im Sommer dieses Jahres 2,7 Milliarden Euro an Transfer-Summen verbucht. Das entspricht dem Bruttoinlandsprodukt von Liechtenstein. Beispiele dazu: In Italien rüstete Juventus Turin für knapp 86 Millionen Euro auf, der AC Mailand des Ministerpräsidenten und Milliardärs Silvo Berlusconi kaufte Spieler für 45 Millionen Euro ein, AS Rom für 62 Millionen Euro. In Spanien ein ähnliches Bild: Der FC Malaga kaufte neun neue Spieler für 58 Millionen Euro, der FC Barcelona gab, genauso wie Real Madrid, 55 Millionen Euro aus.
Aufrufe zum Streik der Anhängerschaft

- Ronaldo, der Superstar von Real Madrid, soll im Jahr 38,5 Millionen Euro verdienen. Bei vielen "Normalbürgern" stoßen derartige Summen auf Unverständnis. (Bild:commons.wikimedia.org/Shocoshrek, CC by-sa 2.0)
Nun waren die Spieler im Streik oder drohten ihn an. Ronaldo, der Superstar von Real Madrid, soll im Jahr 38,5 Millionen Euro verdienen, Ronaldo Messi, der Weltfußballer des Jahres, hingegen “nur” 31 Millionen. Angesichts solcher Zahlen ist der Normalbürger inzwischen einigermaßen verwundert. Beispielsweise in Italien, wo die Fußballer “Solidaritätssteuern” zur Bekämpfung der Finanzkrise des Landes verweigern, die Renten der Normalbürger hingegen “gedeckelt” werden sollen. Hier bricht lang gewährte “Solidarität” weg und in den Leserbriefspalten der Zeitungen breitet sich Wut und Zorn aus und die Forderung wird unüberhörbar, den Fußballerstreik durch Anhängerstreik zu ersetzen. Die Klammer verschwindet.
Fußball – “Subsystem” der Gesellschaft
Der Sport, damit in vorderer Linie der Fußball, ist ein “Subsystem” der Gesellschaft und steht damit in einem direkten Wechselverhältnis mit ihr. H.-Georg Lützenkirchen vom Institut für Fußball und Gesellschaft mit Sitz in Dortmund sagt dazu, der Fußball sei zwar einerseits “
“betroffen von gesellschaftlichen und sozialen Erscheinungen und Verwerfungen.” Das Wechselverhältnis bedeute aber auch, dass der Fußball in der Lage sei, aus seinem Umfeld heraus Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Negative Einflüsse in diesem Fall: von den Wettskandalen bis hin zu überzogenen Gehaltszahlungen – und dann zu Streiks. Dies führt zu gesellschaftlicher Labilität. Spanien, Italien und Griechenland erscheinen als Beispiel. Über den Fußball als Klammer gab es bislang eine Art gesellschaftlichen Konsens. Dieser bröselt nun dahin.
[KS]









