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Europa startet eigenes Navigationssystem

- Startplatz im Weltraumzentrum Guayana (Französisch-Guayana), wo die ersten beiden Satelliten von Galileo ins Weltall starteten. (Foto: commons.wikimedia.org/Phrood, CC by-sa 2.0)
Der Startschuss für Europas eigenes Navigationssystem ist gefallen. Am Freitag um 12:30 Uhr wurden die ersten beiden Satelliten ins Weltall geschickt. Der Start erfolgte vom Weltraumbahnhof bei Kourou in Französisch-Guyana. In den nächsten Jahren werden 28 weitere Satelliten folgen. Ab 2014 sollen die ersten Dienste verfügbar sein, voll funktionstüchtig wird das System jedoch erst am Ende dieses Jahrzehnts sein. Rund sechs bis sieben Prozent des europäischen Bruttoinlandprodukts hängen laut der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) von der Satellitennavigation ab. Besonders in der Schifffahrt oder im Flugverkehr wäre es unangenehm, darauf verzichten zu müssen. Grund genug also, ein eigenes System zu installieren. Bisher waren Europäer diesbezüglich auf die bestehenden Navigationssysteme aus den USA und Russland angewiesen. Mit den eigenen Satelliten soll nun ein wichtiger Schritt in Richtung Unabhängigkeit getan werden.
Galileo unter ziviler Kontrolle
Der Marktführer GPS (Global Positioning System) aus den USA sowie sein russisches Pendant GLONASS (Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema) stehen jeweils unter militärischer Kontrolle. Im Gegensatz dazu ist Galileo für zivile Zwecke konzipiert. Hinter Galileo stehen die Europäische Kommission (EC) und die ESA. Während sich die EC um die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen kümmert, ist die ESA verantwortlich für den technologischen Teil sowie die Umsetzung des Systems.
Kompatibilität mit anderen Systemen

- GPS-Satellit der zweiten Generation (Foto: commons.wikimedia.org/GDK)
Um sich langfristig als Eckpfeiler in der globalen Satellitennavigation zu etablieren, wird Galileo mit GPS und GLONASS kompatibel sein. Dass GPS und Galileo gleichberechtigt sein würden, beschlossen schon 2004 der damalige US-Außenminister Colin Powell und der irische Politiker Brian Cowen. Dieser fungierte damals als Vorsitzender der EU-Außenminister. Die Kombination der Signale mehrerer Satelliten aus verschiedenen Systeme soll für eine noch höhere Genauigkeit sorgen: Zumindest 15 Satelliten sollen jederzeit erreichbar sein.
Jederzeit zumindest vier Satelliten erreichbar
Sobald es voll funktionstüchtig ist, wird Galileo 30 Satelliten umfassen. Diese kreisen in einer Höhe von 30.222 Kilometern um die Erde. Dabei bilden sie drei Orbitalebenen, die gleichmäßig um die Erde herum verteilt sind. Jede der Ebenen besteht aus zehn Satelliten. Von diesen wiederum sind neun aktiv, einer befindet sich im Stand-by-Modus, um eventuell ausfallende Geräte möglichst rasch ersetzen zu können.
Durch diese Verteilung der Satelliten um die Erde liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man überall auf der Erde gleichzeitig die Signale von zumindest vier Galileo-Satelliten empfangen kann, bei über 90 Prozent. Durch die Kombination von vier oder mehr Signalen ist es möglich, seine Position genau zu bestimmen. An den meisten Plätzen auf der Erde sind durchschnittlich sogar sechs bis acht Satelliten in Reichweite. Das bedeutet, dass die Position noch exakter ausgemessen werden kann. Denn es gilt: Je mehr Signale, desto besser.
Bessere Abdeckung und genaue Position

- Der Jupiter-Kontrollraum des Centre Spatial Guyanais (CSG) im Weltraumbahnhof bei Kourou in Französisch-Guyana (Foto: commons.wikimedia.org/Dagomys)
Der Aufbau Galileos in drei Orbitalebenen erfüllt noch einen anderen Zweck. Das derzeit marktführende GPS verfügt über eine vergleichsweise schlechte Abdeckung der polaren Breitengrade. Hier soll das europäische Satellitensystem Abhilfe schaffen. Durch die Zusammenarbeit mit GPS soll es außerdem möglich sein, auch in tiefen Häuserschluchten, wie man sie etwa in New York findet, ein genaues Signal empfangen zu können.
Um nicht nur für eine hohe Abdeckung zu sorgen, sondern auch die Position möglichst genau bestimmen zu können, wurden für Galileo zwei neue Atomuhren entwickelt. Von diesen befindet sich je ein Exemplar an Bord jedes Satelliten. Die Uhren werden verwendet um zu erfassen, wie lange das Signal des Satelliten zum Empfangsgerät auf der Erde unterwegs ist. Je präziser diese Messung stattfindet, desto exakter kann die Position des Empfängers auf der Erde bestimmt werden. Das soll mit Galileo bis auf 45 Zentimeter genau möglich sein.
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