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Die Papandreous – eine Dynastie zerfällt

- Eine Dynastie geht zu Ende. Georgios Andrea Papandreou büßte zum großen Teil für die Fehler der Väter. (Foto: wikimedia.commons.org/Geraki)
Sie haben in Griechenland in unterschiedlichen Abständen und mit höchst unterschiedlichem Erfolg als Ministerpräsidenten die Fäden der Macht in Händen gehalten: der Clan der Papandreous. Mit dem Abgang des nunmehr 59 Jahre alten Georgios endet eine Ära, auf die Griechenland mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückschaut. Der Anfang November 2011 im Amt gescheiterte und vom Amt zurückgetretene Athener Regierungschef hat in seiner Regierungszeit, und vor allem an deren Ende zu einem großen Teil auch büßen müssen für die Fehler der Väter. Denn er hat sich bis zum bitteren Ende mit Unruhen, Finanzkrisen und einer drohenden Staatspleite herumschlagen müssen, die, wie es im Volksmund heißt, zum Teil “nicht auf seinem Mist gewachsen sind”.
Der Vater ließ die Günstlingswirtschaft blühen
Dabei hat Georgios Papandreou zu spüren bekommen, dass er kein solches politisches Schwergewicht war und ist wie Vater Andreas und Großvater Georgios. Sie waren beide politisch kraftvolle Akteure – wenn auch im Amt nicht selten fehlgeleitet. Sie galten als Reformer und wesentliche Begründer des modernen Griechenland. Aber beide, zuvorderst allerdings der Vater, werden und wurden von vielen Griechen auch verantwortlich gemacht für den gigantischen Schuldenberg.
Georgios der Jüngere musste Programme zurückfahren, die sein Vater angestoßen hatte. Der pumpte geliehene Milliardensummen in Arbeitsplatz-Sicherung und in teuere Entwicklungsprojekte, die Korruption blühen ließen und nach Expertenmeinung die Basis der heutigen Krise bildeten. Es hat viel für sich, was der griechische Politikexperte und Autor Nikos Dimou sagt: “Der Sohn zahlt für die Sünden seines Vaters”.
Die Sozialisten regierten souverän
Die Familie Papandreou also hat in Griechenland immer mitgemischt – und das Land aufgemischt. Großvater Georgios war 1944/45 der erste Regierungschef Griechenlands im Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende wirkte er intensiv als Gegenspieler des Königshauses und wurde 1964/65 nochmals Ministerpräsident.
Vater Andreas trat später in dessen Fußstapfen. Er war zweimal Regierungschef. Zuerst von 1981 bis 1989, dann von 1993 bis 1996. Andreas Papandreou konnte mit flammenden Reden auf Massenkundgebungen die Massen mitreißen. Er regierte souverän mit seiner “Panhellenischen Sozialistischen Bewegung PASOK”. Er legte sich mit der alteingesessenen rechtsgerichteten Elite an, förderte aber auch die Günstlingswirtschaft, die den öffentlichen Dienst mit Parteigängern durchsetzte. Schon in den 1980er Jahren stieg die Staatsverschuldung dramatisch an.
Im Spott “George, der Amerikaner” genannt

- Politexperte und Autor Nikos Dimou sagt: “Der Sohn zahlt für die Sünden seines Vaters”. (Foto: wikimedia.commons.org/Dantadd, CC by 2.0)
Als Spross der Politik-Dynastie Papandreou war der jetzt scheidende und gescheiterte Georgios eigentlich ein politischer griechischer Insider, aber er blieb gleichzeitig ein Außenseiter. Nicht wegen des übergroßen Schattens des Vaters, sondern weil er in den USA geboren worden und aufgewachsen war. So wurde er in Athen gern und im Spott „George, der Amerikaner“ genannt.
Der Vater war nämlich im Jahr 1940 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, hatte dort auch vorübergehend die US-Staatsbürgerschaft angenommen und eine amerikanische Feministin und Journalistin geheiratet, die Mutter von Georgios. Der Vater lehrte dort erfolgreich als Hochschullehrer im Fach Wirtschaftswissenschaften. 1959 kehrte die Familie nach Griechenland zurück – ging aber danach nochmals vorübergehend nach Schweden, in die USA und nach Kanada.
Im Jahr 2009 Karamanlis als Regierungschef abgelöst
Ein bewegtes Leben also. Der jetzt scheidende Georgios besuchte die Universität Stockholm, das Amherst College in den USA und machte einen Bachelor-Abschluß in Soziologie. Diese Studien vertiefte er an der London School of Economics. Dann kam die politische Karriere. Georgios Andrea Papandreou war von 1999 bis 2004 Außenminister Griechenlands.
Seit 2004 ist er auch Vorsitzender der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung. Im Januar 2006 wurde er Vorsitzender der Sozialistischen Internationale. Im Oktober 2009 schließlich löste er nach seinem Wahlsieg den bisherigen Amtsinhaber Kostas Karamanlis im Amt des Regierungschefs ab und übernahm zunächst (bis 2010) auch das Amt des Außenministers. Immer wieder hatten Parteifreunde bezweifelt, dass er die politische Statur habe, schwere Krisen zu bewältigen. Er sei ein Politiker (gewesen), der bei einem Großteil seiner Karriere bemüht war, zuvorderst den Erwartungen der Familie und der alten Garde der Sozialisten gerecht zu werden.
[KS]
(Teaserbild G. Papandreou: wikimedia.commons.org/ArielGlenn-<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de>CC by-sa 2.0</a>)









