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Streit um Bodenschätze im Mittelmeer
Das Mare Mediterraneum zieht eine Artenvielfalt an, die weltweit nur von Japan und Australien getoppt wird. Wasserschildkröten, Delphine, 20 verschiedene Walarten sowie die vom Aussterben bedrohte Mönchsrobbe bewohnen das 2,5 Millionen Quadratmeter große Binnenmeer. Die Araber nennen es das Weiße Meer. Doch betrachtet man die Öl und Gasvorkommen des Mediterranen Sees würde schwarz wohl eher passen. Allein unter dem östlichen Mittelmeer sollen nach den Schätzungen der wissenschaftlichen Behörde “United States Geological Survey” 1.7 Milliarden Barrel Erdöl und 122 Billionen Kubikfuß Erdgas liegen.
Neue Rohstoff Ressourcen schüren alte Konflikte

- Das Mittelmeer ist bereits jetzt durch Lecke, Unfälle auf Bohrplattformen oder so genannten Tankwaschungen mit einer schleichenden Ölpest belastet. (Foto: commons.wikimedia.org/Robbot)
Süd-Zypern gab daher der US-Firma Nobel Energy den Auftrag, um das Gebiet der geteilten Insel nach den begehrten Rohstoffen zu bohren. In dem Gasfeld vor der Küste Zyperns vermutet man 270 Milliarden Kubikmeter Gas.
Doch das griechische Zypern hat seine Rechnung ohne die Türkei gemacht. Diese fühlt sich durch das Vorhaben provoziert und ging sogar soweit Kanonenboote auszusenden. Hintergrund ist ein anhaltender Konflikt zwischen dem international nur von Türkei anerkannten Nordzypern und dem EU Mitglied Republik Zypern. Die Zypern-Griechen hätten nicht das Recht, so der türkische Energieminister Taner Yildiz, mit Israel oder einem anderen Staat ein Projekt zu starten ohne vorherige Absprache. Ankara began
Unbestimmte Grenzen
Auch wenn diese Auseinandersetzung ein Extrem in der mediterranen Erdöl und Erdgas Wirtschaft darstellt, bleibt sie nicht allein. Auch Italien und Malta streiten sich wegen der Öl- und Gasvorkommen um die Inseln Lampedusa, Linosa und Pantelleria, nachdem Italien vergangenes Jahr Konzessionen für die Suche nach Öl und Gas vergab. Auch hier ist die Problematik, dass die Grenzen auf hoher See nicht genau bestimmt werden können. Malta das Italien vorwarf, in sein Gebiet einzudringen, will wiederum in Gebieten bohren, die Griechenland als Teil seines Territoriums ansieht.
Auch BP bohrt wieder mit

- Sollten im Mittelmeer Ölbohrungen durchgeführt werden, ist die dortige Artenvielfahlt einer noch größeren Gefahr ausgesetzt als sie es bereits jetzt ist. (Foto: commons.wikimedia.org/Flickr upload bot, CC by 2.0)
Der Ölkonzern BP hat seine Tiefseebohrung vor der libyschen Küste wieder aufgenommen. Dort kaufte das britische Energieunternehmen bereits 2007 ein 54 000 Quadratkilometer großes Ölfeld, dessen Explorierung vorübergehend von der libyschen Revolution gestoppt, nun aber wieder aufgenommen wurde. Ganz zum Missfallen Italiens, dessen Küste etwa 500 Kilometer entfernt ist. Sowohl Umweltorganisationen als auch Regierungsmitglieder Italiens bestanden auf einen Bohrstopp und nahmen damit Bezug auf die Umweltkatastrophe, die durch die Explosion der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko verursacht wurde. Trotz der Widerstände will man, so ein BP-Sprecher, bis Jahresende mit den Bohrungen beginnen.
Seerechtsübereinkommen
Bislang wurden die Bodenschätze im Mittelmeer noch nicht großartig ausgebeutet. Doch auf Grund der steigenden Ölpreise könnte sich der Mittelmeerraum bald zum Golf von Mexiko entwickeln. Für gewöhnlich regelt das Seerechtsübereinkommen (SRÜ) der Vereinten Nationen solche Streitfälle. Nach dem SRÜ steht jedem Staat das Recht zu, in einer seiner Küste vorgelagerten Wirtschaftszone bis zu einer Breite von maximal 200 Seemeilen im exklusiven Hoheitsrecht wirtschaftliche Ressourcen zu erforschen und auszubeuten.
Hinzu kommt der Festlandsockel, der die Verlängerung des Kontinents unter der Meeresoberfläche darstellt. Da sich diese häufig überlappen, sind die Staaten dazu aufgerufen, die Grenzen in bilateralen Verträgen auszuhandeln. Die Republik Zypern hat mit den Anrainern Israel, Ägypten und Libanon die Grenzen der jeweiligen Wirtschaftszonen bereits festgelegt. Doch die Türkei, die bislang das SRÜ nicht unterzeichnet hat, will ungerührt von Kritik aus Russland, den USA und der EU-Kommission, mit den Bohrungen beginnen. Der zyprische Präsident Dimitris Christofias sieht das als “eine Provokation nicht nur für die Republik Zypern, sondern für die gesamte Völkergemeinschaft”.
Ökosystem bedroht

- Die in Brand stehende Deepwater Horizon im Golf von Mexiko.(Foto: commons.wikimedia.org/Gump Stump)
Aufgrund von Überfischung, der zunehmenden Verschmutzung durch Abwasser, Industrie und Landwirtschaft sowie des starken Tourismus leidet das Mittelmeer ohnehin bereits unter ernsten ökologischen Problemen. Das Mittelmeer hat kaum Zeit sich zu erholen. Bereits jetzt laufen stark befahrene Tankerrouten, auf denen jährlich 420 Millionen Tonnen Rohöl und Ölprodukte transportiert werden, quer durchs Mittelmeer, so Greenpeace. Täglich seien es 250 Tanker. Durch Lecke, Unfällen auf Bohrplattformen oder so genannten Tankwaschungen, bei denen leere Öltanker mit Seewasser durchgespült werden, ist das Mittelmeer bereits jetzt mit einer schleichenden Ölpest konfrontiert. Laut der Weltbank fließen jährlich 650.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer. Ein weiteres Problem ist, dass durch die Tankwaschung nicht-heimische exotische Arten wie Algen und Fische eingeschleppt werden. Diese stören das Gleichgewicht lokaler Ökosysteme, so die UN-Behörde für Ernährung und Landwirtschaft in Rom.
Die Bodenschätze liegen zum Teil bis zu 2000 Meter unter der Meeresoberfläche. Wie unberechenbar ein Unglück in solchen Tiefen sein kann, zeigte bereits die Havarie im Golf von Mexiko.
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