Freitag, 28. Dezember 2011

Von: RED

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Keywords:
Elekrtonischer Personalausweis | elektronische Identifizierung | Bundesdruckerei | Jens Fromm | Kartenlesegerät | Internet
Der neue Personalausweis – Die Bilanz nach dem ersten Jahr im Einsatz

Sichere elektronische Identifizierung

Jens Fromm
Nach einem Jahr sind 30 Unternehmen und Verwaltungen online, so dass dort der elektronische Personalausweis genutzt werden kann. Es gibt jedoch noch mehr unausgeschöpftes Potenzial. (Foto: tv.berlin)

Seit einem Jahr gibt es nun schon den elektronischen Personalausweis, mit dem eine sichere elektronische Identifizierung im Internet gewährleistet ist. Knapp 9 Millionen Exemplare sind nun schon im Umlauf. Über die Vorteile, die der neue Ausweis bietet und über eventuelle Tücken sprechen wir mit Jens Fromm vom Fraunhofer Institut.

European Circle: Was kann man nach einem Jahr mit dem neuen Personalausweis für eine Bilanz ziehen?
 
Fromm:
 Erstmal kann man sagen, die Produktion und die Ausgabe ist stabil, das heißt die Bundesdruckerei hat es geschafft – nach einem Jahr – die Ausweise innerhalb von sechs Tagen zu produzieren. Das heißt vom Eingang in der Bundesdruckerei bis Ausgang, sechs Tage, und dann – natürlich abhängig von der jeweiligen Kommune oder Land – dauert die Ausgabe vielleicht zwei, drei Wochen. Ich denke, das ist schon ein sehr gutes Ergebnis, im Gegensatz zu dem alten Personalausweis. Wo es sicher noch Potenziale gibt ist die so genannte Online-Ausweis-Funktion, sprich das sichere und vertrauenswürdige identifizieren im Internet, da gibt es noch viele Potenziale.
 
European Circle:
 Am Anfang gab es ja noch ein paar Sicherheitspannen, zum Beispiel bei den Kartenlesegeräten. Sind die denn mittlerweile ausgemerzt?
 
Fromm:
 Also man muss festhalten, der Personalausweis ist seit einem Jahr verfügbar, es gab schon Spezifikationen und Prototypen vorab, und seit einem Jahr hat es keiner geschafft unerlaubt auf den Personalausweis zuzugreifen. Das heißt, man kann heute sagen, er ist ein sehr sicheres Medium, ein sehr sicheres Element. Wir müssen trotzdem, und das ist genau die Diskussion, die weiter geführt werden muss, sobald er im Internet zum Einsatz kommt,  aufpassen, wie wir mit diesem Medium umgehen; wir müssen auf unsere PIN aufpassen; wir müssen schauen, haben wir ein Anti-Viren-Scanner auf unserem PC installiert; eine Firewall? Das sind aber keine personalausweisspezifischen Schwächen, sondern das ist normaler Umgang, wenn wir uns im Internet, in der virtuellen Welt, bewegen.

European Circle: Was macht den neuen Personalausweis so sicher?
 
Fromm:
 Es sind in erster Linie die äußeren Sicherheitsmerkmale, es gibt ganz neue, innovative Ansätze, Hologramme, Identigramme, die diesen Personalausweis sehr sicher machen, aber auch der Chip, mit den sehr anspruchsvollen Verschlüsselungsmechanismen, sprich kryptographischen Protokollen, wie man in der Wissenschaft gerne sagt. Es geht wirklich um die Technologie, die hier eingesetzt wird, die ihn so sicher macht.
 
European Circle:
 Über 9 Millionen Exemplare sind ja bereits im Umlauf, wie viele der neuen Möglichkeiten werden denn bisher genutzt?
 
Fromm:
 Das sind genau die Potenziale, von denen ich gesprochen habe. Man muss hier sagen, nach einem Jahr, haben wir 30 Unternehmen und Verwaltungen online, sprich: Hier kann man seinen neuen Personalausweis nutzen. Das wird von den Nutzern des neuen Personalausweises bisher eher verhalten angenommen. Aber hier gibt es, glaube ich, viele, weitere interessante Anwendungen: Man kann zum Beispiel seine Punkte in Flensburg abrufen, man kann seinen Rentenbescheid abrufen – gut, das mache ich auch nicht jeden Tag (schmunzelt), man kann in einigen Städten aber auch bestimmte elektronische Verwaltungsdienstleistungen in Anspruch nehmen. Wir reden hier auch mit dem Land Berlin; ich gehe davon aus, dass wir hier nächstes Jahr Verwaltungsdienstleistungen mit dem neuen Personalausweis über Berlin.de abrufen können.

European Circle: Das klingt alles sehr zukunftsorientiert, man braucht aber ein Kartenlesegerät, um all diese Features nutzen zu können. Was kostet das ungefähr?
 
Fromm:
 Das fängt so ab 20-30 EUR an. Man darf hier die Herausforderung auch nicht klein reden, man braucht das Kartenlesegerät, um den neuen Personalausweis im Internet zu nutzen. Aber ich denke, wenn wir nächstes, übernächstes Jahr weitere interessante Anwendungen sehen, dann sind diese 20-30 EUR – und das wird zukünftig noch kostengünstiger werden – auch keine all zu große Hürde mehr.
 
European Circle:
 Wenn man so einen neuen Personalausweis beantragt, was ist da Pflicht und was ist freiwillig?
 
Fromm: Man kann sagen, dass alle elektronischen Funktionen, bis auf die hoheitliche Funktion, freiwillig, sprich optional, sind. Man brauch also die elektronische Identifikationsfunktion nicht einschalten. Genau so wenig brauch man diese digitale Unterschrift kostenpflichtig erwerben. Diese Funktionen sind freiwillig, aber es schadet nicht die persönliche Identifikationsfunktion jetzt schon einzuschalten, weil man kriegt eine PIN und solange man diese Funktion zu Hause nicht freischalten kann, auch kein Unwesen damit getrieben werden kann.

European Circle: Ist der neue Personalausweis mit den neuen Funktionen zukunftsfähig?
 
Fromm: Ich denke dieses Medium und diese elektronische Identitätsfunktion wird immer wichtiger. Wir bewegen uns immer mehr im Internet; gerade die jungen Menschen wollen immer mehr mit der Verwaltung, mit den Unternehmen, im Internet in Kontakt treten und es stellt sich immer die Frage, wie persönlich ich mich dem Unternehmen gegenüber identifiziere. Und mit diesem Ausweis hat das Bundesinnenministerium eine Basis geschaffen, um sich initial sicher und vertrauenswürdig zu identifizieren.
 
[RED]

(Teaserbild: Thomas Kölsch/pixelio.de)