Montag, 13.02.2012

Von: Klaus J. Schwehn

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Keywords:
Biowein | Ökologischer Wein | EU-Norm | EU-Siegel | Weinbau
Brüssel hat entschieden

Brief und Siegel für den Biowein

Weinflasche
Ab der Ernte 2012 wird das einheitliche EU-Siegel für Biowein eingeführt. (Foto: flickr/hmboo, CC BY-NC 2.0)

Für Biowein in ganz Europa gibt es demnächst ein einheitliches Kennzeichen. Ab der nächsten Lese können Winzer den Begriff "Ökologischer Wein" sowie das EU-Biosiegel verwenden. Das hat die Europäische Kommission offiziell mitgeteilt. Bisher hatte es zwar europaweite Standards für Wein aus Biotrauben, aber nicht für ökologische Herstellungsmethoden gegeben. Die Entscheidung fiel nach Beratungen und Abwägungen, die seit dem Jahr 2009 gedauert hatten, im Ständigen Ausschuss für Biolandbau. Die neuen Vorschriften betreffen unter anderem die Höchstmengen für Sulfite – bis zu 100 mg je Liter im Rotwein und bis zu 150 mg bei Weißwein. Außerdem ist künftig der Einsatz von Sorbinsäure verboten.

Herstellungsmethoden EU-weit normiert

Die EU-Kommission verspricht sich, neben allgemein größerer Klarheit und Transparenz für den Verbraucher, vor allem Vorteile bei der Vermarktung in Drittländern. Mit den neuen Bestimmungen, die ab der Ernte 2012 gelten sollen, dürfen Bio-Winzer den Begriff "ökologischer Wein" beziehungsweise "Biowein" verwenden. Die Etiketten müssen außerdem mit dem EU-Bio-Logo und der Codenummer der zuständigen Zertifikatsstelle versehen sein. Daneben sind natürlich auch weiterhin die sonstigen Kennzeichnungsvorschriften für Wein einzuhalten. Zwar gibt es bereits Vorschriften für Wein aus "ökologischen/biologischen Trauben" - aber sie beziehen sich nicht auf die ökologischen Verfahren, sozusagen von der Traube bis zum fertigen Wein. Das heißt, neben dem biologischen Anbau werden auch die Herstellungsmethoden EU-weit normiert. So wird künftig auch die Schwefelung nicht mehr erlaubt sein. Das bedeutet für den Verbraucher, Sicherheit zu haben, dass nun die gesamte Produktionskette, vom Anbau bis zum fertigen Produkt, biologisch ist.

Mehr Klarheit für den Weintrinker

Die engagierten Winzer freut es. Sie sind auch der Auffassung, dass Bio-Wein "ursprünglicher" schmeckt. Denn die konventionellen Pflanzen, sagen Experten, "hängen am Tropf", seien "Nährstoff-Junkies". Bio-Pflanzen dagegen würden nicht gedüngt und müssen sich somit tiefer in den Boden eingraben, um die notwendigen Nährstoffe zu bekommen. Biowein sei "interessanter und tiefgründiger". Das hat nach dem Ende der zum Teil zähen Ausschuss-Verhandlungen auch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos unterstrichen. Er verweist darauf, dass das Verbraucherinteresse an Bioprodukten immer mehr ansteige. Umso besser sei es, dass nunmehr klar zwischen konventionellem und ökologischem Wein unterschieden werden könne. In einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung hieß es, "die neuen Bestimmungen werden nicht nur die Lage auf dem Binnenmarkt vereinfachen, sondern auch die Stellung von ökologischen Weinen aus der Europäischen Union auf internationaler Ebene stärken". Zumal viele andere Erzeugerländer bereits eigene Normen für Bioweine aufgestellt haben.

Österreich führendes Anbauland

Weinlese
Die engagierten Winzer sind erfreut über das einheitliche EU-Siegel für Biowein. Sie sind der Auffassung, dass Biowein "ursprünglicher" schmeckt. (Foto: commons.wikimedia.org/Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0)

Besonders viel Fläche für Bioweine gibt es in Österreich. Es sind 8,7 Prozent der Gesamtanbaufläche. In Deutschland sind es 5,2 Prozent. Die deutschen Winzer liegen damit hinter den meisten großen europäischen Anbauländern. In Italien wachsen Biotrauben auf 8,6 Prozent der Anbaufläche, in Griechenland sind es 6,3 Prozent, in Frankreich sechs Prozent und in Spanien fünf Prozent. Aber allerorten wächst die Erwartung, dass sich die Flächen vergrößern angesichts eines ständig wachsenden Interesses der Konsumenten. Wobei allerdings nicht wenige Winzer für Ausnahmeregelungen in Übergangszeiten plädieren. Denn in Einzelfällen sei der Biomarkt nicht ausreichend entwickelt und es bestünden keine "biologischen Alternativen" zu konventionell erzeugten Produkten. Oder die Mengen reichten zum Start noch nicht aus. Doch der EU-Ausschuss ist hoffnungsfroh: Der Markt werde es kurzfristig richten.

(Teaserbild: Rita Thielen / pixelio.de)