Freitag, 04. Mai 2012

Von: Timo Borowski

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Daniel Cohn-Bendit | Manifest | Freiwilliges Europäisches Jahr | Freiwilligendienst | Jugendliche | Arbeitslosigkeit | Zukunft
Freiwilliges Europäisches Jahr

Was kannst Du für Europa tun?

Europa
Das “Freiwillige Europäische Jahr” soll jungen Europäern die Möglichkeit geben sich über die Ländergrenzen hinaus in engagieren zu können(Foto:ec.europa.eu, Credit © European Union, 2006)

Europa steckt immer noch Mitten in der Krise. Beinahe täglich gibt es neue Schlagzeilen um Regierungen, die an ihrer Sparpolitik zerbrechen und weiteren wirtschaftlichen Abschwung. Besonders Jugendliche in Europa scheinen deshalb perspektivlos zu sein. Im März waren in der Europäischen Union, nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat, 5.516 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Die Jugendarbeitslosenquote der EU liegt derzeit bei 22,6 Prozent. In den angeschlagenen Euro-Ländern Spanien und Griechenland ist sogar jeder zweite Jugendliche ohne Job. Um Europas Zukunft neu zu gestalten, unterstützen Daniel Cohn-Bendit, Grünen-Abgeordneter im Europäischen Parlament und der Soziologe Ulrich Beck, zusammen mit anderen Politikern und Intellektuellen, ein “Manifest zur Neugründung Europas von unten”.

Neues Europa durch mehr Zusammenarbeit

Cohn-Bendit und Beck wollen mit ihrem Vorstoß vor allem der europäischen Bürgergesellschaft eine Stimme geben. Das “Freiwillige Europäische Jahr” soll jungen Europäern die Möglichkeit geben, auch über die Binnengrenzen hinaus, an einem europäischen Projekt mitzuarbeiten. So will man zum einen den Weg aus der Krise unterstützen und zum anderen der jungen Generation wieder eine Perspektive geben. Das Manifest zitiert eine Idee des US-Präsidenten John F. Kennedy, der einmal sagte, “Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt”. Zu den ersten prominenten Unterzeichnern des Manifestes gehören unter anderem Regisseur Wim Wenders, Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt.

Projekt für jede Berufs- und Altersgruppe

Konkret soll das “Freiwillige Europäische Jahr” jungen Menschen aus ganz Europa ermöglichen, ihr Heimatland zu verlassen, um in einem anderen EU-Land an gemeinschaftlichen Projekten mitzuwirken und eine neue Sprache zu erlernen. Die Projekte können von den Teilnehmern selbst vorgeschlagen oder von zuständigen EU-Agenturen empfohlen werden. Im Gegensatz zu dem bereits bestehenden Europäischen Freiwilligendienst (EFD) soll das neue Projekt europaweit anerkannt und angemessen bezahlt werden. Auch die Zielgruppe des “Freiwilligen Europäischen Jahres” soll eine breite Schicht von Bürgern ansprechen. Während bisherige Projekte nur an junge Auszubildende, Schüler und Studenten gerichtet war, sollen zukünftig sämtliche Alters- und Berufsgruppen - einschließlich Arbeitslosen und Rentnern - die Chance auf eine Mitarbeit an europäischen Gemeinschaftsprojekten haben. Ziel des Angebots soll laut Cohn-Bendit und Beck nicht das Sammeln von Berufserfahrung oder Ausbildungs-Zertifikaten sein. Stattdessen soll europäische Identität erfahren und die gemeinsame Zukunft der Union mitgestaltet werden. Die Finanzierung des “Freiwilligen Europäischen Jahres” soll nach dem Plan der Autoren von der EU, den nationalen Regierungen, sowie von der Wirtschaft übernommen werden.

Aktuelle EU-Projekte

Ulrich Beck
Um die Zukunft Europas neu zu gestalten, unterstützen der Soziologe Ulrich Beck (Foto) und Daniel Cohn-Bendit zusammen mit anderen Politikern und Intellektuellen, ein “Manifest zur Neugründung Europas von unten”.(Foto:commons.wikimedia.org/ BeckGroeberKleine, CC by 3.0)

Bislang können junge Europäer im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes ein gemeinnütziges Projekt in Europa durch ihre Arbeit vor Ort unterstützen. EU-Bürger von 16 bis 30 Jahren werden dabei auch finanziell von der Europäischen Union gefördert. So werden Reise- und Unterbringungskosten, sowie ein Taschengeld von Brüssel gezahlt. Dabei können die Teilnehmer in zahlreichen gemeinnützigen Institutionen aus den Bereichen Soziales, Kultur, Sport und Umwelt mitarbeiten und Erfahrung sammeln. Das EFD-Projekt läuft allerdings im Jahr 2013 aus. Das “Freiwillige Europäische Jahr” versteht sich nun als mögliches Nachfolge-Projekt. Doch auch das EU-Programm “Erasmus für alle” bieten jungen Menschen die Möglichkeit einen Teil ihrer Ausbildung im europäischen Ausland zu verbringen. Das Programm der EU-Kommission soll von 2014 bis 2020 laufen und sieben laufende EU-Programme für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport auf internationaler Ebene bündeln. Dabei sollen sowohl Schüler, Studierende und Auszubildende, als auch Lehrkräfte und Ausbilder mit Stipendien ausgestattet werden, um einen Teil ihres Bildungswegs im Ausland zu absolvieren.

Zwei Millionen Teilnehmer erwartet

Das Projekt, dass Daniel Cohn-Bendit und Ulrich Beck in Zusammenarbeit mit der Allianz-Stiftung präsentieren, soll die Bürger Europas stärker zusammenwachsen lassen. Für eine Laufzeit von zehn Jahren, rechnen die Initiatoren mit rund zwei Millionen Teilnehmern, die sich dann für Themen wie Migration, Klimawandel oder den Kampf gegen Rassismus einsetzen sollen. Im besten Fall soll das Projekt die Identifikation der Bürger mit Europa verbessern.