Die 76. Berlinale beginnt am Donnerstag mit Filmen aus 28 Ländern, die um den begehrten Goldenen Bären konkurrieren. Politische Themen werden wieder im Vordergrund stehen und viele Titel feiern in der deutschen Hauptstadt ihre Weltpremiere.
Am Donnerstag eröffnet die Berlinale und verwandelt die deutsche Hauptstadt in ein wahres Paradies für Filmliebhaber.
Der Wettbewerb gilt auch in diesem Jahr als eines der politischsten Filmfestivals der Welt und spiegelt die großen Themen unserer Zeit wider.
Zwischen intimen Charakterstudien und globalen Konflikten präsentieren Regisseure aus verschiedenen Teilen der Welt Filme, die sich mit Macht, Identität, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel auseinandersetzen.
Frauen und ihre Rollen in sehr unterschiedlichen Gesellschaften nehmen in diesem Jahr einen besonderen Stellenwert ein. Auch psychische Gesundheit und Sucht werden in den Vordergrund gerückt.
Die ausgewählten Beiträge verbinden persönliche Geschichten mit einer klaren politischen Haltung und zeigen, wie das Kino den zeitgenössischen Realitäten einen Spiegel vorhalten kann. Fünf Filme des Wettbewerbs stechen besonders hervor – durch ihre Thematik, ihre unverwechselbare Filmsprache und ihre Relevanz über das Kino hinaus.
1. Am Meer
Diese US-ungarische Koproduktion zeichnet die Geschichte von Laura und ihrer Familie nach. Als Tänzerin findet der Höhepunkt ihres Lebens auf der Bühne statt, doch ihr regelmäßiger Alkoholkonsum entwickelt sich zur Sucht. Nach einem Unfall ändert sich ihr Alltag schlagartig, es folgen eine Entgiftung, ein Reha-Aufenthalt und eine vorsichtige Rückkehr zu alten Routinen.
Doch nicht jeder empfängt Laura mit offenen Armen. Ihre Teenager-Tochter Josie ist offen feindselig, ihr Sohn Felix geht auf Distanz. Ihr Mann Martin empfängt sie vorsichtig, hin- und hergerissen zwischen Zuneigung und Misstrauen.
Der Film gilt als intime Charakterstudie und zeichnet Lauras emotionalen Weg aus der Sucht nach.
2. Dao
Der Film Dao Im Mittelpunkt steht eine Frau aus dem westafrikanischen Staat Guinea-Bissau, die zwischen einer Beerdigung und einer Hochzeit hin und her reist. Individuelle Geschichten und gemeinsame kulturelle Wurzeln werden aus Fakten und Fiktionen miteinander verwoben.
Im Mittelpunkt des Films steht die Definition seines Titels: „Das Dao ist die unaufhörliche, kreisförmige Bewegung, die alles durchfließt und die Vielfalt der Welt verbindet.“
3. Josephine
In Beth de Araújos Drama versucht eine Familie, ein traumatisches Ereignis zu verarbeiten. Eines frühen Morgens gehen die achtjährige Josephine und ihr Vater Damien in den Park, um Fußball zu spielen, und werden Zeuge, wie ein Jogger von einem Fremden vergewaltigt wird.
Josephine hat Fragen, doch ihr Vater schweigt. Stattdessen meldet er sie für einen Kung-Fu-Kurs an, doch ihre Kindheit wurde durch das Trauma bereits radikal verändert.
Von nun an ist die Welt ein gefährlicher Ort. Für Josephine gibt es nur zwei Gruppen von Menschen: Freunde, die sie beschützen muss, und Feinde, vor denen sie sich schützen muss.
Ihr Vater, gespielt von Channing Tatum, ignoriert ihren emotionalen Zustand. Auch zwischen den Eltern bahnt sich ein Konflikt über den Umgang mit der immer aggressiver werdenden Tochter an.
4. Rose
Deutschland des 17. Jahrhunderts. Ein als Soldat verkleideter Fremder mit vernarbtem Gesicht präsentiert sich als Erbe einer verlassenen Farm. Die Gemeinde eines abgelegenen Dorfes ist skeptisch. Sein Fleiß und seine Frömmigkeit beeindrucken sie jedoch und am Ende wird der geheimnisvolle Soldat Teil der Gemeinschaft.
Doch sein Platz unter ihnen beruht auf einer Lüge. Sein Aussehen verbirgt seine wahre Identität: die wahre, verworrene Geschichte eines Betrügers, der als Frau geboren wurde, als Mann lebte und ein ganzes Dorf betrog. Die Hauptrolle spielt Sandra Hüller.
5. Königin auf See
Amandas Mutter Leslie leidet an Demenz und die Krankheit schreitet voran. Amandas Stiefvater Martin und Amanda sind sich nicht einig darüber, wer die wichtigsten Entscheidungen über Leslies Zukunft treffen soll.
Ist der Ehegatte, die Tochter oder eine neutrale Institution am besten geeignet, den Anruf zu tätigen? Und welche Entscheidungen spiegeln wirklich Leslies Wünsche wider und welche dienen denen ihrer Verwandten? Die Situation überfordert alle Beteiligten zunehmend.
Es ist der zweite Spielfilm von Regisseur Lance Hammer.
Auszeichnungen mit dem Goldenen Bären
Insgesamt 22 Filme laufen im Wettbewerb und hoffen allesamt auf den begehrten „Goldenen Bären“ als bester Film.
Die Jury besteht aus zahlreichen renommierten Regisseuren und Produzenten, angeführt vom deutschen Autor, Regisseur und Fotografen Wim Wenders als Jurypräsidenten. Auch prominente Stimmen aus aller Welt sind vertreten: Min Bahadur Bham aus Nepal, Bae Doona aus Südkorea, Shivendra Singh Dungarpur aus Indien, Reinaldo Marcus Green aus den USA, HIKARI aus Japan und Ewa Puszczyńska aus Polen.
Der Goldene Bär wird am 21. Februar verliehen. Der Gewinnerfilm wird dann bei der Abschlussgala noch einmal gezeigt.
In den kommenden Tagen werden die Wettbewerbsfilme in verschiedenen Berliner Kinos gezeigt. Tickets können zwei Tage im Voraus erworben werden.