Der Mithras-Kult: Archäologen finden in Deutschland Anzeichen einer mysteriösen Religion, die nur den Menschen der Antike vorbehalten war

Deutsche Archäologen haben anhand eines alten vergrabenen Tempels, in dem römische Legionäre einst den Sonnengott Mithras verehrten, neue Einblicke in die römische Vergangenheit Bayerns gewonnen.

Bei jüngsten Ausgrabungen in der Regensburger Altstadt haben deutsche Archäologen einen dem Gott Mithras gewidmeten Tempel freigelegt.

Da das Gebäude ursprünglich in Holzbauweise errichtet wurde, sind nur noch wenige bauliche Überreste erhalten. Funde wie ein beschrifteter Votivstein und Fragmente von Votivtafeln aus Metall weisen jedoch eindeutig auf die Nutzung als Kultstätte hin.

Weitere Zeugnisse des noch immer rätselhaften Mithraskults sind Scherben eines mit Schlangen verzierten Keramikgefäßes, Räucherkelche und Henkelkrüge. Experten gehen davon aus, dass rituelle Bankette fester Bestandteil des Mithraskults waren.

Münzen, darunter Exemplare aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians (117–138 n. Chr.), ermöglichen eine Datierung des Tempels in die Zeit zwischen 80 und 171 n. Chr. Damit ist er der älteste der neun bisher bekannten Mithraea in der römischen Provinz Raetia im heutigen Bayern.

Rätien, eine römische Provinz in Mitteleuropa, die etwa vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. existierte, umfasste Teile des heutigen Süddeutschlands, der Schweiz, Österreichs und Norditaliens.

Der Mithraskult oder Mithraismus war eine mysteriöse Religion. Besonders verbreitet war sie in Militär- und Handelszentren, zu deren Anhängern sich häufig auch römische Legionäre zählten. Zugelassen waren nur Männer. Eine lokale Gemeinschaft bestand typischerweise aus etwa 15 bis 40 Mitgliedern.

Im alten Persien wurde Mithras „Mitra“ genannt und war ein Gott der Bündnisse, der Treue und der Gerechtigkeit. Die Römer verwandelten ihn in einen Sonnengott. Der römische Mithraskult übernahm viele Elemente aus der persischen Mythologie, entwickelte aber auch eigene grundlegende Rituale und Symbole. Zentral wurde das Motiv der „Tauroktonie“ (von lateinisch taurus, Stier): Mithras tötet den Stier als Akt der kosmischen Erneuerung.

Die Römer hatten ein abgestuftes Initiationssystem mit sieben uns bekannten Stufen: Corax (Rabe), Nymphus (Bräutigam), Miles (Soldat), Leo (Löwe), Perses (Perser), Heliodromus (Sonnenläufer) und Pater (Vater), jede mit ihren eigenen Symbolen, Ritualen und vermutlich Prüfungen oder Prüfungen.

Mit der Verbreitung des Christentums verschwand der Geheimkult.

Erst jetzt wird die Bedeutung der Entdeckung klar

Die Funde wurden im Vorfeld eines Bauvorhabens gemacht. In Städten mit langer Geschichte wie Regensburg müssen zunächst Archäologen hinzugezogen werden, bevor neue Gebäude errichtet werden können. Tatsächlich machten Spezialisten die Entdeckung bereits im Jahr 2023, doch erst jetzt, nach intensiven Untersuchungen, wird ihre volle Bedeutung klar.

Wie andere Mithras-Tempel war auch dieser rund sieben Meter lange Holzbau als langgestreckter Bau konzipiert und teilweise im Boden versenkt. Anhänger des Mysterienkultes stiegen vermutlich über eine Rampe in das Heiligtum hinab.

In der Mitte befand sich eine grabenartige Vertiefung, an den Seiten wurden erhöhte Plattformen errichtet, auf denen die Gläubigen sitzen oder liegen konnten. Mithras-Tempel seien in ihrer Gestaltung Höhlen nachempfunden, denn eines der zentralen Motive der Mythologie sei, dass Mithras in einer Höhle einen Stier tötet, erklärte Stefan Reuter dem Bayerischen Rundfunk B nach der Analyse der Funde.

Der Tempel wurde einst mit Kerzen und Öllampen beleuchtet. Die gefundenen Keramikgefäße und Henkelkrüge lassen auf ausgedehnte rituelle Feste schließen. Die Analyse der Lebensmittelbehälter ist noch im Gange. Es scheint bereits gesichert, dass qualitativ hochwertige Lebensmittel verzehrt wurden.

Die Funde aus dem Tempel sollen im Historischen Museum Regensburg ausgestellt werden, das derzeit seine römischen Galerien neu gestaltet. In der neuen Ausstellung wird das Mithras-Heiligtum eine herausragende Rolle spielen.