Das Projekt wurde als wichtiger Test für die europäischen Bemühungen um eine engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich angesehen, da sie in einer Zeit, in der sich die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten verschlechtern, eine einheitliche Front gegenüber dem feindseligen Russland darstellen wollen.
Frankreich und Deutschland erklärten am Montag, sie hätten sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den beteiligten Unternehmen darauf geeinigt, ein gemeinsames Kampfflugzeugprogramm aufzugeben, was einen Rückschlag für die europäischen Bemühungen zur Stärkung der Verteidigungszusammenarbeit darstellt.
Das Programm Future Combat Air System (FCAS) wurde 2017 ins Leben gerufen, um die französischen Rafale-Jets und die von Deutschland und Spanien eingesetzten Eurofighter-Flugzeuge zu ersetzen.
Es sollte durch Drohnen, Sensoren und digitale Kommunikationssysteme ergänzt werden, die für den gemeinsamen Einsatz in einem vernetzten Kampfraum konzipiert sind.
Das Projekt wurde als wichtiger Test für die europäischen Bemühungen um eine engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich angesehen, da sie in einer Zeit, in der sich die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten verschlechtern, eine einheitliche Front gegenüber dem feindseligen Russland darstellen wollen.
Doch das milliardenschwere Programm war von Meinungsverschiedenheiten zwischen den beteiligten Firmen geprägt: der französischen Dassault Aviation und Airbus, das Deutschland und Spanien vertritt.
Das Projekt galt lange Zeit als eines der bedeutendsten industrie- und sicherheitspolitischen Vorhaben Europas. Doch jahrelang wurde der Prozess durch Konflikte zwischen den beteiligten Unternehmen gebremst, und der Streit um Führung, Arbeitsteilung und geistige Eigentumsrechte erwies sich letztlich als unlösbar. Während Dassault darauf bestand, die Führung bei den Kampfflugzeugen zu übernehmen, lehnte Airbus die Rolle des Juniorpartners ab.
Weitere Komplikationen ergaben sich aus unterschiedlichen militärischen Anforderungen. Frankreich bestand auf einem trägerfähigen, atomar bewaffneten Flugzeug für seine Streitkräfte, wofür Deutschland keine Notwendigkeit sah. Vorschläge, im Rahmen des Programms zwei verschiedene Flugzeugvarianten zu entwickeln, erhielten keine gemeinsame Zustimmung.
Die Ankündigung erfolgt trotz der Forderungen an Europa, seine fragmentierten Streitkräfte stärker zu integrieren, da sich die geopolitischen Unruhen verschlimmern.
Russlands Krieg gegen die Ukraine befindet sich bereits im fünften Jahr, während die europäischen Länder zunehmend besorgt über die Sicherheitsverpflichtungen der USA gegenüber dem Kontinent unter Präsident Donald Trump sind.
Die Arbeiten an der Combat Cloud werden fortgesetzt
Obwohl der gemeinsame Jet verschrottet wurde, wird das FCAS-Projekt nicht vollständig abgewickelt. Regierungsangaben zufolge soll die Entwicklung der sogenannten Combat Cloud vorangetrieben werden.
Hierbei handelt es sich um ein digitales Netzwerk, das Flugzeuge, Drohnen und andere Waffensysteme miteinander verbinden soll.
Das französische und das deutsche Verteidigungsministerium werden bei einem bevorstehenden Treffen einen Plan für die Verteidigungskooperation ausarbeiten, „der sich auf einige realistische und relevante Projekte konzentriert“, fügte der Beamte hinzu.
Für Airbus öffnet die Entscheidung die Tür zur Suche nach neuen Partnern. Brancheninsider nennen unter anderem den schwedischen Rüstungskonzern Saab und das britisch-japanisch-italienische Kampfflugzeugprogramm als mögliche Kooperationsoptionen.
Dassault wiederum dürfte die nächste Generation des Rafale in Eigenregie weiterentwickeln.
Mit dem Scheitern des gemeinsamen Kampfflugzeugs geht eines der ehrgeizigsten europäischen Rüstungsvorhaben der letzten Jahre zu Ende.
Gleichzeitig markiert die Entscheidung einen Kurswechsel: Anstelle eines einzigen gemeinsamen Flugzeugs scheinen Berlin und Paris nun getrennte nationale Entwürfe unter einem gemeinsamen technologischen Dach zu verfolgen.
Merz hatte Anfang des Jahres gesagt, er werde „alles tun und bis zum letzten Moment dafür kämpfen, dass hier gemeinsame europäische Projekte auf den Weg gebracht werden, vor allem deutsch-französische Projekte“.
Macron hatte im April nach Gesprächen mit Merz bestritten, dass das Projekt tot sei.
„Wir schreiten weiter voran. Europa brauchte nie mehr Einheit, größere Unabhängigkeit und größere Souveränität als jetzt“, sagte er.