Peter Magyar kündigt bevorstehende Änderungen der Regelungen zur Kindesadoption für Singles und gleichgeschlechtliche Paare an

Die Ankündigung des Premierministers markiert einen scharfen ideologischen und politischen Bruch mit den Orbán-Regierungen 2010–2026 und seit dem Regierungswechsel im April einen wichtigen Schritt vorwärts für Menschenrechte und Kinderschutz in Ungarn.

Die ungarische Regierung hat einen 220-seitigen, umfassenden Kinderschutzbericht veröffentlicht, der zu dem Schluss kommt, dass das System der Kinderadoption kurz vor dem Zusammenbruch steht.

Das Dokument wird als Grundlage für die Neufassung der Adoptionsregeln dienen, ein Schritt, der bei Oppositionsparteien heftige politische Reaktionen ausgelöst hat.

Premierminister Péter Magyar kündigte an, dass die Regierung die Vorschriften für die Adoption durch Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare ändern werde, und argumentierte, dass das derzeitige System nicht nachhaltig sei.

Er erklärte, dass die Entscheidung, wer ein Kind adoptieren darf, keine politische Entscheidung sein sollte, sondern eine Entscheidung von Fachleuten wie Psychologen und Kinderschutzexperten. Politiker, so Magyar, müssten sich von diesem Thema zurückziehen.

Er betonte, dass „das System in seinem gegenwärtigen Zustand nicht richtig funktionieren kann“ und dass die überwältigende Überlegung immer sein müsse, dass Kinder in einer liebevollen Familie aufwachsen können, nicht die sexuelle Orientierung oder der Familienstand der Eltern.

Der ungarische Ministerpräsident sagte, die Regierung arbeite bereits an Änderungen der bestehenden Gesetzgebung, die zuvor von Fidesz unter dem langjährigen Premierminister und Magyar-Vorgänger Viktor Orbán eingeführt worden sei.

Das System, das Magyar reformieren will, begünstigt in seiner jetzigen Form verheiratete Paare und schränkt die Möglichkeiten für Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare stark ein.

Die Ankündigung löste in den lokalen Medien heftige Kritik aus. Oppositionelle Medien kritisierten den Schritt und warfen Magyar vor, „der LGBTQ-Lobby nachgegeben zu haben“, während unabhängige Medien darin ein Versprechen zur Wiederherstellung professioneller Standards sahen.

Politikbruch aus der Orbán-Ära

Der Schritt markiert einen scharfen ideologischen und politischen Bruch mit dem Erbe der Orbán-Regierungen, die zwischen 2010 und 2026 an der Macht waren, und ist einer der bedeutendsten Schritte, die Ungarn seit dem Regierungswechsel im April 2026 in Bezug auf Menschenrechte und Kinderschutz bisher unternommen hat.

Im Dezember 2020 verschärfte die Orbán-Regierung das ungarische Grundgesetz und das Adoptionsgesetz, das eine Mutter streng als leibliche Frau und den Vater als leiblichen Mann definierte und die Adoption faktisch auf verheiratete Paare als Standard beschränkte.

Da gleichgeschlechtliche Paare in Ungarn nicht heiraten und nur eingetragene Partnerschaften eingehen können, war eine Adoption bisher möglich, indem ein Partner den Antrag als Alleinstehende stellte.

Ein Gesetz aus dem Jahr 2020 beendete diese Lücke, da es alleinstehende Antragsteller dazu zwang, nur mit einer gültigen persönlichen Ministererlaubnis zu adoptieren, die zunächst von der ehemaligen Präsidentin Katalin Novák und später vom für Familienpolitik zuständigen Minister erteilt wurde.

Durch die geänderte Gesetzgebung wurde den Mitgliedern der LGBTQ-Gemeinschaft fast vollständig die Möglichkeit verwehrt, Kinder zu bekommen.

Nachdem die Tisza-Partei die Wahlen im April dieses Jahres mit einem Erdrutschsieg gewonnen und damit die 16-jährige Herrschaft der Fidesz beendet hatte, erwarteten internationale und inländische Menschenrechtsorganisationen sofortige Schritte zur Wiederherstellung der LGBTQ-Rechte.

Der Druck nahm noch zu, als der Gerichtshof der Europäischen Union kurz vor der Abstimmung entschied, dass Ungarns früheres „Kinderschutz-/Homophobie“-Gesetz schwerwiegend gegen EU-Recht verstößt.

Laut der Darstellung der Regierung ist das derzeitige System nicht nachhaltig, da zwar eine große Zahl von Kindern in staatlicher Obhut lebt, geeignete künftige Eltern, ob alleinstehend oder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, jedoch aufgrund strenger politischer Filter und bürokratischer Hürden im System blockiert sind.

Die neue Maßnahme stellt effektiv das berufsbasierte Bewertungssystem von vor 2020 wieder her und sendet ein starkes Signal dafür, dass die neue Regierung beabsichtigt, soziale Probleme, die zuvor als symbolische politische Schlachtfelder dienten, auf pragmatische und von Experten geleitete Weise anzugehen.