Der Ölschock im Iran: Wer zahlt die höchste Kraftstoffsteuer in Europa?

Die Kraftstoffpreise in ganz Europa steigen rasant, und in vielen Ländern machen die Steuern mehr als die Hälfte der Kosten an der Zapfsäule aus. The European Circle Business untersucht, wie Unterschiede bei den Steuern dazu führen, dass Autofahrer in einigen Ländern mittlerweile weitaus mehr an der Zapfsäule zahlen als in anderen.

In ganz Europa sind die Benzin- und Dieselpreise aufgrund des Iran-Krieges und der Versorgungsunterbrechungen aus den Golfstaaten parallel zu den weltweiten Ölkosten gestiegen.

Brent-Rohöl erreichte seit den ersten gemeinsamen US-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar zweimal kurzzeitig 119 US-Dollar pro Barrel. Die Auswirkungen der schwankenden Ölpreise spüren mittlerweile Haushalte auf dem gesamten Kontinent, wo Steuern einen erheblichen Teil der Kosten an der Zapfsäule ausmachen.

Wie viel vom Ölpreis entfällt auf die Steuer?

Wo in Europa zahlen Verbraucher also die höchste Kraftstoffsteuer? Wie viel vom Benzin- und Dieselpreis fließt in die Steuern? Und welche Länder sind europaweit am teuersten und am günstigsten für Treibstoff?

Der erste und relevanteste Indikator ist der Anteil der gesamten Steuern, einschließlich Verbrauchsteuer und Mehrwertsteuer, an den Kraftstoffpreisen.

Nach Berechnungen von The European Circle Business auf der Grundlage von Daten der Europäischen Kommission vom 16. März 2026 machen Steuern, einschließlich Verbrauchsteuer und Mehrwertsteuer, mehr als die Hälfte der Benzinpreise (Euro-Super 95) in der gesamten EU aus.

Innerhalb der EU reicht der Anteil von 43,9 % in Bulgarien bis 57,8 % in Slowenien, wobei es 20 Mitgliedstaaten gibt, deren Gesamtsteuern mehr als 50 % des Benzinpreises ausmachen.

Der EU-Durchschnitt liegt bei 52,1 %.

Unter den „Big Four“-Volkswirtschaften der EU hat Italien mit 55 % den höchsten Steueranteil, gefolgt von Deutschland (54,5 %), Frankreich (53 %) und Spanien (45 %).

Für Diesel ist die Gesamtsteuerlast geringer und liegt im EU-Durchschnitt bei 44,6 %. Nur in vier Ländern liegen die Steuern über 50 %: Malta (54,3 %), Italien (51,1 %), Irland (50,6 %) und Slowenien (50,1 %).

In Estland (37,6 %), Spanien (38 %), Schweden (38,5 %) und Bulgarien (39,7 %) liegt der Steueranteil unter 40 %.

Unter den größten Volkswirtschaften der EU hat Italien mit 51,1 % immer noch den höchsten Steueranteil auf Diesel. Frankreich (46,8 %) und Deutschland (45,4 %) liegen nahe am EU-Durchschnitt, während Spanien (38 %) einen der niedrigsten Anteile in Europa aufweist.

Die steuerliche Einstufung variiert zwischen Benzin und Diesel. Bei den Benzinsteuern liegt Griechenland an vierter Stelle, bei Diesel jedoch an 20. Stelle. Finnland und die Niederlande liegen bei Benzinern rund zehn Plätze vor Diesel, während Litauen bei Benzinern auf dem 18., bei Diesel jedoch auf dem achten Platz liegt.

Steuersätze im Vergleich zu gezahlten Steuern

Die in Euro gezahlte Gesamtsteuer kann vom prozentualen Anteil abweichen, da die Kraftstoffpreise vor Steuern stark variieren. Slowenien hat beispielsweise den höchsten Benzinsteuersatz (57,8 %), aber die Verbraucher zahlen 0,83 € pro Liter, womit das Land in absoluten Zahlen nur an 17. Stelle in der EU liegt.

Die Steuern pro Liter liegen zwischen 0,58 € in Bulgarien und 1,24 € in den Niederlanden. Laut Eurostat-Daten vom 16. März lag der EU-Durchschnitt bei 0,96 Euro, wobei die Beträge in Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Irland und Frankreich über 1 Euro lagen.

Legt man für die Berechnung dieselben Eurostat-Zahlen zugrunde, lagen die pro Liter gezahlten Steuern zwischen 0,58 € in Bulgarien und 1,24 € in den Niederlanden. Der EU-Durchschnitt lag bei 0,96 €. In Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Irland und Frankreich lag dieser Wert bei über 1 €.

Betrachtet man die Benzinpreise inklusive Steuern, so lag der Euro-Super-95-Preis inklusive Steuern in der EU bei 1,84 € pro Liter. Die teuersten Länder für Benzin waren die Niederlande (2,26 €), Dänemark (2,18 €), Deutschland (2,09 €), Finnland (1,96 €) und Griechenland (1,92 €).

Die niedrigsten Preise für Euro-Super-95 gab es hingegen in Bulgarien (1,33 €), Malta (1,34 €), Zypern (1,42 €), Slowenien (1,44 €) und der Slowakei (1,52 €). In der Türkei lag er laut Petrol Ofisi bei rund 1,22 €.

Für Diesel betrugen die Steuern in der EU durchschnittlich 0,87 Euro pro Liter und überstiegen nur 1 Euro in Italien (1,04 Euro) und Dänemark (1,01 Euro).

Menschen in Bulgarien (0,57 €), Malta (0,66 €) und Zypern (0,66 €) zahlen nominell die geringsten Steuern.

Die höchsten Dieselpreise gibt es in den Niederlanden (2,26 €), Dänemark (2,21 €), Deutschland (2,15 €), Finnland (2,11 €) und Italien (2,03 €).

Die niedrigsten Dieselpreise wurden derweil in Malta (1,21 €), Bulgarien (1,44 €), Slowenien (1,48 €), der Slowakei (1,53 €) und Zypern (1,59 €) verzeichnet.

Steuer- und Umweltpolitik

Nach Angaben der Steuerstiftung umfassen die Kraftstoffsteuern in vielen EU-Ländern Umweltabgaben, die pro Liter erhoben werden. Beispielsweise beinhalten mindestens acht EU-Mitgliedstaaten eine Kohlenstoff-, Energie- oder andere Umweltsteuer in ihrer gesamten Verbrauchsteuer.

Die EU legt eine Mindestverbrauchsteuer fest. Allerdings können die Mitgliedstaaten höhere nationale Steuersätze festlegen, um ihre eigenen steuerlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank beeinflussen auch Kosten und Margen in der Raffinierung und im Vertrieb die Verbraucherpreise.