Laut EU-Kommissar Glenn Micallef wäre die Austragung europäischer Fußballspiele der regulären Saison außerhalb Europas ein „Verrat“ an der Identität des Sports und seinen gemeinschaftlichen Wurzeln.
Der europäische Fußball bereitet sich auf einen historischen Wandel vor, der heftigen Widerstand aus Brüssel hervorgerufen hat.
Während sich die spanische La Liga und die italienische Serie A darauf vorbereiten, ihre ersten nationalen Ligaspiele außerhalb Europas auszurichten, hat sich EU-Sportkommissar Glenn Micallef gegen den Schritt ausgesprochen und erklärt, er sei „zutiefst enttäuscht“ von den Vorschlägen.
„Für mich ist klar: Europäische Wettbewerbe müssen in Europa ausgetragen werden. Der europäische Fußball muss in Europa bleiben“, schrieb Micallef auf X und nannte die Idee eher „Verrat“ als Innovation.
Seine Kommentare folgten einem Treffen mit Ronan Evain, Geschäftsführer von Football Supporters Europe, einem Fanverband, der mehr als 50 UEFA-Mitgliedsländer umfasst. Die Gruppe ist seit langem dagegen Der Export von Ligaspielen ins Ausland sei mit der Begründung verbunden, dies untergrabe die Bindung zwischen Vereinen und ihren Gemeinden.
Der spanische Fußballverband hat bereits Pläne für den 17. Spieltag der La Liga, Barcelona gegen Villarreal, genehmigt, der am 20. Dezember im Hard Rock Stadium in Miami ausgetragen wird.
Unterdessen hat der italienische Verband den Antrag der Serie A unterstützt, den 24. Spieltag der Serie A, AC Mailand gegen Como, im Februar 2026 in Perth, Australien, auszurichten, da das San Siro-Stadion des AC Mailand dann aufgrund der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina nicht verfügbar sein wird.
Beide Spiele warten auf die endgültige Genehmigung durch relevante Dachverbände wie UEFA und FIFA. Im Falle einer Bestätigung wären es die ersten regulären Saisonspiele großer europäischer Ligen, die außerhalb des Kontinents ausgetragen werden – und könnten möglicherweise einen Präzedenzfall für künftige Umzüge schaffen.
Micallef warnte davor, dass die Situation zum „ersten großen Stresstest für die Regierungsführung seit der Super League“ werden könnte, und betonte, dass starke, gemeinschaftsbasierte Vereine von zentraler Bedeutung für das europäische Sportmodell seien.
Die Debatte spiegelt Trends im amerikanischen Sport wider, wo die Austragung von Spielen im Ausland mittlerweile zur Routine geworden ist.
Die American-Football-Liga NFL war die aggressivste Liga und organisierte seit 2007 55 internationale Spiele der regulären Saison, sieben weitere sind allein im Jahr 2025 geplant.
Auch die US-Baseballliga MLB und die US-Basketballliga NBA haben mit internationalen Begegnungen experimentiert, allerdings weniger konsequent.
Ob der europäische Fußball denselben Weg einschlägt, bleibt ungewiss, aber der Widerstand sowohl der Fans als auch der politischen Entscheidungsträger deutet darauf hin, dass der Kampf erst am Anfang steht.