EU-Referendum in Island: „Nein“-Votum hat 52,5 % Vorsprung, ein lokales Ergebnis steht noch aus

Islands EU-Referendum steht auf Messers Schneide, da ländliche Wahlkreise sich entschieden für „Nein“ aussprechen, während die beiden Wahlkreise in Reykjavík entschieden für „Ja“ stimmen und nur noch ein Wahlkreis übrig ist, um Ergebnisse bekannt zu geben.

Die neuesten Zahlen zeigen, dass das Ergebnis zugunsten des „Nein“-Votums ausgefallen ist.

Die „Ja“-Kampagne hatte schon früh die Führung übernommen, doch als die Ergebnisse der ländlichen Wahlkreise im Nordwesten und Süden deutlich dafür ausfielen, die Beitrittsverhandlungen mit der EU nicht fortzusetzen,

Insgesamt hat „Nein“ 52,5 % und „Ja“ 47,5 % (Stand: 30 Uhr MEZ).

Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RUV wurden bisher über 150.000 Stimmen geprüft.

Die ersten Ergebnisse hatten ursprünglich 51,2 % mit „Ja“ gestimmt, aber die um 8.32 Uhr MEZ veröffentlichten endgültigen Ergebnisse des Wahlkreises Süd zeigten, dass knapp über 60 % mit „Nein“ stimmten.

Premierministerin Kristrún Frostadóttir, Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir und die Ministerin für Bildung und Kinder Inga Sæland haben für 15:00 Uhr MEZ eine Pressekonferenz einberufen, bei der die Parteiführer das Ergebnis diskutieren und Fragen der Medien beantworten werden.

Wir warten nun auf die endgültigen Zahlen aus einem Wahlkreis – dem Südwesten, wo die zweiten Zahlen „Ja“ bei 48,5 % und „Nein“ bei 51,5 % zeigten.

In den anderen fünf Wahlkreisen des Landes sind inzwischen alle Stimmen ausgezählt.

Die Stimmen verteilten sich wie folgt:

Reykjavík Nord: Ja 57,5 ​​% – Nein 42,5 %

Reykjavík Süd: Ja 54,5 % – Nein 45,5 %

Wahlkreis Süd: Ja 39,5 % – Nein 60,5 %

Wahlkreis Nordwest: Ja 37,1 % – Nein 62,9 %

Wahlkreis Nordost: Ja: 38,8 % Nein: 61,2 %

Den Meinungsumfragen zufolge tendiert das „Nein“ in eher ländlichen Regionen in Richtung 60 %, wohingegen erste Ergebnisse aus der Hauptstadt Reykjavík auf rund 58 % „Ja“ deuten.

In den Ergebnissen des Wahlkreises Nordwest liegt das Lager der Euroskeptiker bei 60,8 % und das Lager der „Ja“ bei 39,2 %, während im Wahlkreis Nordost mit fast 10.000 Stimmen das Lager „Nein“ bei 56 % und das Lager „Ja“ bei 44 % liegt.

Im Gegensatz dazu ergaben die ersten Ergebnisse für den südlichen Wahlkreis von Reykjavík mit über 20.000 untersuchten Stimmen ein „Ja“ von 55,9 % und ein „Nein“ von 44,1 %. Im nördlichen Wahlkreis der Hauptstadt wurden fast 21.000 Stimmen geprüft, wobei die „Ja“-Stimmen bei 59,4 % und die „Nein“-Stimmen bei 40,6 % lagen.

Die Teilergebnisse stimmen mit den Erwartungen überein, da ländliche Gebiete aufgrund von Bedenken im Zusammenhang mit Fischerei und Landwirtschaft voraussichtlich europaskeptischer sein werden, während die Hauptstadt Reykjavík voraussichtlich EU-freundlicher sein wird.

Die Wahllokale schlossen am Samstag um 22:00 Uhr Ortszeit wegen des wichtigen EU-Referendums in Island.

Am Samstag wurden die Isländer dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, ob sie die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen oder auf absehbare Zeit jegliche Aussicht auf einen Beitritt zur Union aufgeben sollten. Wahlberechtigt waren rund 272.000 Personen.

Nach vorläufigen Zahlen lag die Wahlbeteiligung höher oder zumindest vergleichbar mit der Parlamentswahl 2024, als sie laut lokalen Medien bei 80 % lag.

Bis wenige Tage vor der Abstimmung deuteten Umfragen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin, bei dem der Vorsprung des proeuropäischen Lagers immer weiter schwand.

„Sollte Island die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen?“ war die Frage auf dem Stimmzettel.

Island beantragte nach der Finanzkrise 2009 die EU-Mitgliedschaft, fror die Gespräche jedoch nach der Wahl einer euroskeptischen Regierung im Jahr 2013 ein.