Der Wasserspiegel in ganz Europa ist aufgrund der anhaltenden Dürre auf Rekordtiefs gesunken und hat eine Vielzahl lange verborgener Relikte freigelegt; hier eine Auswahl.
Die Dürre, die weite Teile Europas erfasst, hat den Wasserstand auf selten gesehene Tiefststände gedrückt.
Hungerstein bei Pirna-Oberposta wird sichtbar
Das anhaltende Niedrigwasser der Elbe hat bei Pirna, nahe der Grenze zu Tschechien, einen historischen Hungerstein freigelegt. In den Stein im Ortsteil Oberposta sind zahlreiche Datumsangaben eingraviert, die vergangene Episoden extremen Niedrigwassers dokumentieren. Die ältesten Markierungen gehen auf das Jahr 1707 zurück.
Jahrhundertelang galten solche Hungersteine als Warnzeichen für Dürre und die damit einhergehende Not. Extreme Trockenheit könnte Ernten gefährden, die Schifffahrt stören und in früheren Zeiten sogar Hungersnöte auslösen. Die Steine werden erst sichtbar, wenn der Flusspegel besonders niedrig ist.
Der Hungerstein von Pirna-Oberposta gilt als einer der bekanntesten und größten seiner Art in Deutschland. Sein Wiederauftauchen macht die aktuelle Dürre auf eindrucksvolle Weise sichtbar und erinnert gleichzeitig an historische Dürreperioden.
Rund um Leverkusen, nördlich von Köln, hat das extreme Niedrigwasser des Rheins auch historische Spuren freigelegt. Südlich der Wuppermündung sind ebenfalls Hungersteine aus früheren Dürreperioden aufgetaucht. Einer der Steine ist auf das Jahr 1959 datiert. In historischen Aufzeichnungen ist auch ein Hungerstein mit der Aufschrift „Wenn du mich siehst, wirst du weinen“ erwähnt – dieser Stein ist jedoch noch nicht wieder aufgetaucht.
Kriegsflotte in der Donau
Auf dem Abschnitt, der Serbien von Rumänien trennt, ist auf einer Sandbank in der normalerweise überfluteten Donau ein kaputter Schiffsrumpf aufgetaucht. Andere Schiffe ragen zur Hälfte aus dem Wasser, und einige sollen noch Waffen enthalten.
Diese Wracks sind Teil der Flotte, die Adolf Hitler im Schwarzen Meer stationiert hatte. Die deutsche Wehrmacht versenkte sie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gezielt, um den sowjetischen Vormarsch zu bremsen.
Historiker schätzen, dass im September 1944, acht Monate vor der Kapitulation Nazi-Deutschlands im Mai 1945, bis zu 200 deutsche Kriegsschiffe auf diese Weise versenkt wurden.
Dies ist nicht das erste Mal, dass Niedrigwasser diese Relikte zum Vorschein bringt. Sie sind bei früheren Dürreperioden aufgetaucht und jedes Mal wieder verschwunden, sobald der Fluss angestiegen ist.
Die serbische Regierung hat in der Vergangenheit versucht, die Wracks zu bergen. Die meisten liegen jedoch immer noch dort, wo sie versenkt wurden, auch weil noch Sprengstoff an Bord ist und ein Eingreifen riskant wäre.
Donau-Dürre legt weitere Relikte frei
Das Phänomen ist nicht auf die serbisch-rumänische Grenze beschränkt. Entlang des mehr als 2.800 Kilometer langen Donaulaufs bringen sinkende Wasserstände verschiedenste Funde zutage.
In Bulgarien, rund um das Dorf Ryahovo, südlich der Grenze in der Nähe von Bukarest, hat das zurückfließende Wasser die Überreste von etwas freigelegt, von dem Experten glauben, dass es sich um ein Wollhaarmammut handelt. Das Skelett lag am Flussufer, nachdem die jüngsten Hitzewellen den Wasserstand auf Rekordtiefs gesenkt hatten.
In Ungarn sind mehrere Flussabschnitte von Niedrigwasser betroffen. In der Nähe von Budapest ist ein nahezu unversehrtes Wehrmachtsmotorrad aufgetaucht, das jahrzehntelang im Schlamm vergraben lag, zusammen mit weiterer Munition.
Experten haben im Flussbett außerdem deutsche Panzerabwehrminen, Reste von Handgranaten und Artilleriegranaten gefunden. Nach Angaben des Ungarischen Instituts für Militärgeschichte könnte dieser Abschnitt der Donau nach der Belagerung und Schlacht von Budapest in den Jahren 1944 und 1945 als Abladeplatz für Kriegsschutt genutzt worden sein.
Weiter südlich, in der Nähe von Mohács, ist das Wrack eines Kriegsschiffes aus dem Zweiten Weltkrieg ans Licht gekommen. In Baja sind Donauarme wie die Sugovica so ausgetrocknet, dass Menschen sie zu Fuß überqueren konnten.
Die Dürre hat auch Folgen, die über historische Erkenntnisse hinausgehen. In Ungarn hat der niedrige Wasserstand das Kühlsystem des Kernkraftwerks Paks belastet. Anfang August lag der Fluss nur knapp über dem für den Betrieb erforderlichen Mindestpegel. Wenige Tage später meldete der neue ungarische Ministerpräsident, dass der Pegel erneut mehrere Zentimeter über diesem Grenzwert liege.
In Rumänien hat der niedrige Wasserstand die Behörden gezwungen, den Fährverkehr einzustellen. Lastkähne sind gestrandet und die Bewässerung der Felder wird in einem Land, das bereits unter extremer Trockenheit leidet, immer schwieriger. In Serbien hat der fallende Fluss Sandbänke freigelegt, die sich in provisorische Strände verwandelt haben. Gleichzeitig ist die Wasserkrafterzeugung im Land zurückgegangen.