Seit 7.000 Jahren verborgen: Das verdrehte Skelett stellt deutsche Archäologen vor Rätsel

Wurde der Steinzeit-Teenager absichtlich in einer verdrehten Pose beigesetzt oder rutschte der Körper in ein schräges Grab?

Manchmal reicht eine dunkle Verfärbung im Boden aus, um ein Fenster in eine längst vergessene Welt zu öffnen. Im niederbayerischen Dorf Großköllnbach (Kreis Dingolfing-Landau) führte ein solcher Hinweis zu einer Entdeckung, die Archäologen vor neue Fragen stellt: In einer Grube legten sie die Überreste eines Menschen frei, der vor rund 7.000 Jahren lebte.

Doch es ist nicht nur das hohe Alter des Fundes, das ihn bemerkenswert macht. Es ist vor allem die ungewöhnliche Lage des Skeletts: Anders als bei den damals üblichen Bestattungen liegt der Körper in einer auffälligen, verdrehten Haltung. Auch der Zustand der Halswirbelsäule gibt Forschern Rätsel auf.

Eine Beerdigung, die neue Maßstäbe setzt

Der Fund kam bei archäologischen Untersuchungen im künftigen Entwicklungsgebiet Steigäcker IV zutage. Das Ausgrabungsteam hatte die Stelle fünf Wochen lang untersucht, als sich herausstellte, dass es sich bei dem, was zunächst wie eine unscheinbare Veränderung der Bodenfarbe aussah, um eine Grube mit menschlichen Knochen handelte.

Für Bezirksarchäologe Dr. Florian Eibl ist vor allem die Art der Bestattung ungewöhnlich. Die Menschen der Linienbandkeramik, einer der frühesten Bauernkulturen Mitteleuropas, bestatteten ihre Toten oft in geduckten Gräbern. Der Verstorbene wurde mit angezogenen Beinen auf die Seite gelegt, in einer Haltung, die einer schlafenden Person ähnelte.

In Großköllnbach ist das Bild jedoch anders: Das rechte Bein des Toten war extrem stark nach oben gebogen, während das linke Bein nach außen abgewinkelt war. Diese Haltung weicht deutlich von den üblichen Bestattungspraktiken ab.

Auch die Grube selbst wirft Fragen auf. Seine Basis war uneben und schräg. Nach Ansicht des Archäologen könnte der Körper nach seiner Beisetzung den Hang hinuntergerutscht sein. Einzelne Knochen könnten sich daher verschoben oder in den weichen Ton eingedrückt haben.

War die ungewöhnliche Haltung also beabsichtigt? Oder ist es nur aufgrund der Bedingungen im Grab entstanden?

Ein junger Mensch mit markanten Knochen

Aus den ersten Untersuchungen geht klar hervor: Bei dem Toten handelte es sich um einen Jugendlichen, wie die noch nicht vollständig verwachsenen Wachstumsfugen an den Knochen zeigten.

Knochen können auch Hinweise auf Krankheiten, Verletzungen und körperliche Belastungen geben. Besonderes Augenmerk legen die Experten derzeit auf die Halswirbelsäule, wo eine ausgeprägte Verformung zu erkennen ist. Ob dies auf eine Krankheit oder eine körperliche Besonderheit im Laufe des Lebens zurückzuführen ist oder erst durch die Lage im Grab und nach dem Tod entstanden ist, muss noch geklärt werden.

Eine detaillierte anthropologische Analyse soll weitere Hinweise liefern.

Entdeckung zwischen Lehmöfen und jahrhundertealten Langhäusern

Das Skelett ist nicht der einzige bemerkenswerte Fund auf der Stätte. Die Ausgrabungen bringen eine ausgedehnte Siedlungslandschaft der Bandkeramikkultur ans Licht. Diese Kultur entstand im 6. Jahrtausend v. Chr. und markiert die Ausbreitung der ersten bäuerlichen Lebensweise in weiten Teilen Mitteleuropas.

Nach fünfwöchiger Ausgrabung hatten die Archäologen rund 150 Befunde dokumentiert. Im Boden sind Spuren von drei großen Langhäusern zu erkennen, von denen jedoch höchstens zwei gleichzeitig gestanden haben dürften.

Besonders aufschlussreich sind mehrere erhaltene Feuerstellen und Kochbereiche, darunter gewölbte Lehmöfen, deren Böden mit dicht gepackten Kieselsteinen isoliert waren. Hier wurde Essen gekocht, Getreide verarbeitet und aller Wahrscheinlichkeit nach ein wichtiger Teil des Gemeinschaftslebens organisiert.

Es wurden auch Schleifplatten entdeckt. Nach Ansicht der Archäologen könnten die dafür verwendeten Steine ​​aus Gebieten jenseits der Donau oder des Bayerischen Waldes stammen. Sollte sich dieser Ursprung bestätigen, würden die Funde darauf hinweisen, dass bereits die frühen Bauern Materialien über beträchtliche Entfernungen beschafften und transportierten.

Was geschah vor 7.000 Jahren?

Die Ausgrabungsstätte ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Skelett wurde inzwischen vollständig geborgen und zur weiteren Untersuchung in die Bezirksarchäologie gebracht. Dort sollen die Knochen anthropologisch untersucht werden. Erst dann lässt sich genauer sagen, welche Spuren das Leben dieses jungen Menschen hinterlassen hat und welche Fragen möglicherweise nie beantwortet werden.

Nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen will der Kreisarchäologische Dienst weitere Erkenntnisse bekannt geben.

Bis dahin bleibt Großköllnbach ein Ort, an dem der Boden nicht nur die Spuren einer antiken Siedlung offenbart, sondern auch die Geschichte eines Menschen, dessen letzte Ruhestätte auch nach sieben Jahrtausenden noch Rätsel aufgibt.