Neue internationale Korridore und Flottenmodernisierungen erweitern die grenzüberschreitende Bahnanbindung und unterstützen die Handelsströme zwischen Europa, Asien und Südasien, während Modernisierung und Elektrifizierung darauf abzielen, den Personen- und Güterverkehr zu verbessern.
Usbekistan baut seine internationalen Eisenbahnkorridore aus, um seine Rolle als Transitland zwischen Europa, Asien und Südasien zu stärken. Die neuen und modernisierten Strecken zielen nach Angaben von Beamten darauf ab, die Transitzeiten zu verkürzen, die Handelsströme zu verbessern und alternative Verbindungen zwischen wichtigen globalen Märkten bereitzustellen.
„Wir eröffnen aktiv neue Korridore mit Nachbarländern sowie mit Asien und Europa. Ziel ist es, das volle Potenzial Usbekistans als Transitknotenpunkt auszuschöpfen und den Handel schneller, effizienter und zugänglicher zu machen“, sagte Jasurbek Choriyev, stellvertretender Verkehrsminister.
Das erweiterte Netzwerk umfasst mehrere wichtige Korridore. Diese reichen von der TRACECA-Route durch das Schwarze Meer über die Eisenbahnstrecke China–Kasachstan–Usbekistan über den Grenzübergang Altynkol/Korgos bis hin zu Routen durch Turkmenistan und Iran, die zum Hafen von Bandar Abbas führen. Zusätzliche Verbindungen ermöglichen den Zugang zu baltischen Häfen über Russland.
Eine der kürzeren Strecken ist die Eisenbahnstrecke Hairatan–Mazar-i-Sharif, die Usbekistan mit Afghanistan verbindet und den Zugang nach Pakistan ermöglicht. Beamte sagen, dass diese Verbindung neue Möglichkeiten für den Handel mit Südasien eröffnet und gleichzeitig den Transit von Waren wie Baumwolle, Erdgas und landwirtschaftlichen Produkten unterstützt.
„Unsere Vision ist es, die usbekischen Eisenbahnen zu einem Weltklassesystem zu machen: effizient, umweltfreundlich und in der Lage, die Bedürfnisse der Wirtschaft, der Passagiere und internationalen Partner zu erfüllen“, sagte Khikmatualla Rakhmetov, erster stellvertretender Vorsitzender der Uzbekistan Railways JSC.
Ein zentrales Element der Strategie ist die geplante Transafghanische Eisenbahn, die Usbekistan mit den pakistanischen Seehäfen und dem Indischen Ozean verbinden soll. Das Projekt soll eine durchgehende Landroute zwischen Zentralasien und Südasien schaffen.
„Die Transafghanische Eisenbahn ist ein historisches Projekt. Sie verbindet Zentralasien mit Südasien und dem Indischen Ozean und eröffnet neue Möglichkeiten für Handel und Wirtschaftswachstum in der gesamten Region“, betonte Choriyev.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums wird die Entwicklung dieser Korridore durch die Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen unterstützt, darunter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, der Asiatischen Entwicklungsbank und der Weltbank.
Flottenmodernisierung und Infrastrukturverbesserungen
Neben der Korridorentwicklung modernisiert die Uzbekistan Railways ihr rollendes Material und ihre Infrastruktur. Das Programm umfasst den Kauf von 38 Hauptstreckenlokomotiven und 50 Rangier- und Hybridlokomotiven aus China sowie sechs elektrischen Hochgeschwindigkeitszügen des südkoreanischen Herstellers Hyundai Rotem.
Der erste dieser Hochgeschwindigkeitszüge soll auf der Strecke Taschkent–Urgentsch–Chiwa verkehren und die Fahrzeit von etwa 14 Stunden auf etwa 7,5 Stunden verkürzen. Das umfassendere Programm umfasst außerdem die Anschaffung von 250 Personenwagen, 23 elektrischen Intercity-Zügen und rund 10.000 Güterwagen. Mehr als 6.000 bestehende Waggons werden saniert, während 12 Elektrolokomotiven überholt werden.
Auch die inländische Bahnkapazität wurde erweitert. Die Usbekische Eisenbahn hat 1.200 neue Güterwagen hinzugefügt und digitale Systeme eingeführt, die die Wagenbestellzeiten von 72 Stunden auf rund 12 Stunden verkürzen. Nach Angaben von Beamten ist der Zugdurchsatz im Raum Taschkent um etwa 30 % gestiegen.
Neue und modernisierte Inlandsstrecken, darunter Navoiy–Uchquduq–Sulton Uvaystog‘ und Toshguzar–Boysun–Qumqo’rg’on, haben die interne Konnektivität gestärkt, während die Strecke Hairatan–Mazar-i-Sharif weiterhin den Zugang nach Südasien unterstützt.
„Usbekistan entwickelt alternative Korridore, um regionale Zwänge zu überwinden. Diese Initiativen sind von entscheidender Bedeutung für die Sicherung zuverlässiger Transitrouten und den Ausbau unserer internationalen Verbindungen“, sagte Bekzod Kholmatov, Direktor des Zentrums für die Untersuchung von Transport- und Logistikproblemen.
Personenverkehr und Tourismus
Der Hochgeschwindigkeits-Personenverkehr wächst rasant und das Volumen wird sich bis 2026 voraussichtlich verdreifachen. Das Netzwerk unterstützt den Tourismus in Städten wie Samarkand, Buchara und Chiwa, die ein steigendes Interesse ausländischer Besucher verzeichnen.
Daten des Nationalen Statistikausschusses zeigen, dass die Eisenbahnen von Januar bis Juni 2025 durchschnittlich etwa 29.400 Passagiere pro Tag beförderten.
„Der Personenverkehr hat Priorität. Hochgeschwindigkeitszüge verbessern die Mobilität und tragen dazu bei, Besucher mit den historischen und kulturellen Zentren Usbekistans zu verbinden“, sagte Rakhmetov.
Investitionen in Bahnhofsmodernisierung, Modernisierung des Rollmaterials und Servicestandards sollen die Reisezeit, den Komfort und die Sicherheit sowohl für inländische als auch für internationale Passagiere verbessern.
Nachhaltigkeit und grüne Technologie
Elektrifizierung und erneuerbare Energien bilden einen Kernbestandteil der Eisenbahnstrategie Usbekistans. Der elektrifizierte Schienenverkehr verringert die Abhängigkeit vom dieselbetriebenen Verkehr und senkt die Treibhausgasemissionen. Derzeit sind mehr als 70 % des Schienennetzes des Landes elektrifiziert. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 85 % erhöht werden.
Usbekistan hat in den letzten acht Jahren mehr als 17,2 Milliarden Euro in Solar- und Windkraftprojekte investiert, die den Ausbau des elektrifizierten Schienenverkehrs ergänzen.
„Die Elektrifizierung senkt nicht nur die Transportkosten, sondern kommt auch der Umwelt zugute und macht die Eisenbahn zu einem Schlüsselelement für die nachhaltige Zukunft Usbekistans“, sagte Rakhmetov.
Langfristige Strategie
Beamte beschreiben den Schienenverkehr als einen zentralen Bestandteil der wirtschaftlichen Infrastruktur Usbekistans, der Produktionszentren, Verbraucher und internationale Märkte verbindet.
„Eisenbahnen sind nicht nur ein Transportsystem; sie sind das Rückgrat der usbekischen Wirtschaft und verbinden Menschen, Güter und Möglichkeiten in ganz Zentralasien und darüber hinaus“, betonte Rakhmetov.
Über 70 % des usbekischen Netzes sind bereits elektrifiziert. Bis 2030 sollen es 85 % sein, was es zu einem der am stärksten elektrifizierten Netze in Zentralasien macht.

