Für den Einsatz wird nach Angaben des Landeskommandos Sachsen die 5. Einsatzkompanie mit rund 100 Soldaten ins Land entsandt.
Das deutsche Militär bereitet einen Testeinsatz vor, bei dem es Informationsbroschüren mit Heliumballons abwerfen wird, um im Ernstfall „taktische Direktkommunikationsverfahren“ zu üben.
Mit den Flugblättern der Bundeswehr vom 25. Januar bis 4. Februar sollen Informationen an Menschen weitergegeben werden, die in einem betroffenen Gebiet leben und sonst schwer zu erreichen wären.
Für den Einsatz wird nach Angaben des Landeskommandos Sachsen die 5. Einsatzkompanie mit rund 100 Soldaten ins Land entsandt.
Ihr Ziel ist eine „Stand-Off-Produktverteilung“, die Verteilung von Material aus der Luft oder aus sicherer Entfernung ohne direkten Kontakt mit dem betroffenen Bereich.
Die eingesetzten Heliumballons können Höhen von bis zu 5.000 Metern erreichen. Es ist jedoch unklar, wo genau sie starten werden, da dies von den Wetterbedingungen abhängt und täglich ermittelt wird.
Aus Sicherheitsgründen wurden keine weiteren Informationen zu der Operation bekannt gegeben, mit Ausnahme der Bestätigung, dass Großstädte „absichtlich gemieden“ werden.
Für den Fall, dass wetterbedingt Ballons nach Polen oder Tschechien geblasen werden, wurden die Nachbarländer Deutschlands bereits vorab informiert.
Wer während der Übung „Kälteres Eisen 2026“ ein mit Symbol und Informationstext bedrucktes Merkblatt findet, kann den Fund über die angegebene Kontaktadresse melden und das Merkblatt anschließend entsorgen.
Flugblattabwürfe in Kriegsgebieten
Flugblattabwürfe werden häufig in Notfällen eingesetzt, sei es zur Kommunikation mit Menschen in Ausnahmesituationen oder zur Verbreitung von Propaganda.
Zu den jüngsten Beispielen zählen die Flugblätter der israelischen Armee im Gazastreifen und im Libanon, in denen sie zu Evakuierungen aufruft.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass israelische Streitkräfte am Mittwoch zum ersten Mal seit Beginn eines Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas im vergangenen Oktober Flugblätter im Süden von Gaza abgeworfen hätten.
Dutzende palästinensische Familien wurden auf Englisch, Hebräisch und Arabisch zur sofortigen Evakuierung aufgefordert. Der Flugblattabwurf wurde von den israelischen Streitkräften (IDF) bestätigt.
In einem Artikel für das Lieber Institute West Point ordnet Major Jon Griffiths, Staatsanwalt der britischen Service Prosecuting Authority und Doktorand an der University of Reading in England, solche Maßnahmen völkerrechtlich ein. Er argumentiert, dass die israelischen Streitkräfte mit Warnungen wie Flugblättern, Telefonanrufen, Textnachrichten und Medienankündigungen ihrer Pflicht nachkommen, bei Angriffen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Obwohl Kritiker die tatsächliche Schutzwirkung dieser Warnungen in Frage stellen, betont Griffiths, dass das humanitäre Völkerrecht eine Pflicht zum Handeln und nicht zum Erfolg vorsehe.
Entscheidend ist dabei, dass Warnungen rechtzeitig, verständlich und an die Betroffenen gerichtet sind. Genaue Orts- und Zeitangaben sind nicht zwingend erforderlich und können unterbleiben, wenn militärische Gründe oder zusätzliche Gefahren für die Zivilbevölkerung dagegen sprechen.
Ob und wie viele Menschen möglicherweise durch Flugblattabwürfe in Gaza „gerettet“ wurden, ist unklar, da es keine verlässlichen Zahlen gibt.
Flugblätter als Mittel der psychologischen Kriegsführung
Neben der Kommunikation können Flugblätter auch zur Propaganda eingesetzt werden, etwa im Zweiten Weltkrieg. Dort wurden sie eingesetzt, um wahre Informationen, Übertreibungen und Desinformationen zu kombinieren, um sowohl Soldaten als auch Zivilisten psychologisch zu beeinflussen.
Die Flugblätter richteten sich damals oft an klar definierte Zielgruppen, teilweise sogar an einzelne Einheiten und wurden millionenfach per Flugzeug, Ballon, Artillerie oder Rakete abgeworfen.
Insbesondere Aufrufe zur Kapitulation, detaillierte Anweisungen zur Waffenniederlegung oder die Darstellung eines vermeintlich guten Lebens in der Gefangenschaft wurden von den Kriegsparteien mit Hilfe der Flugblätter an die Gegenseite übermittelt.
An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wurden 2.024 Flugblätter dieser Art ausgestellt, darunter ein Exemplar, das den englischen Satz „Ich kapituliere“ phonetisch für deutschsprachige Soldaten wiedergab.
Der Historiker Benedikt Sepp erklärte, dass viele Soldaten aufgrund der Sprachbarriere nicht wüssten, wie sie sich ergeben sollten. Deshalb wurden beispielsweise Flugblätter mit der Aufschrift „Ei ssörrender“ verteilt.