„Jeanne d’Arc konnte in die gleiche Traube wie wir beißen“: Pinot Noir gab es bereits im Mittelalter

Ein 600 Jahre alter Traubenkern, der in den Toiletten eines mittelalterlichen französischen Krankenhauses entdeckt wurde, ist genetisch identisch mit den Trauben, die heute noch zur Herstellung von Pinot Noir verwendet werden, gaben Wissenschaftler am Dienstag bekannt.

Pinot Noir kommt in den berühmten Weinen der Champagne und der Côte d’Or vor und ist eine symbolträchtige Rebsorte französischer Weinberge – und das möglicherweise schon seit längerer Zeit als bisher angenommen.

Eine Studie zur Untersuchung des Genoms von Traubenkernen, die an verschiedenen archäologischen Stätten gefunden wurden, hat diese Frucht in derselben genetischen Form in einer mittelalterlichen Pflanze identifiziert „Müllgrube“ in Valenciennes, im Norden Frankreichs.

Obwohl sie eindeutig konsumiert wurde, wissen Wissenschaftler noch nicht, ob die Bewohner von Valenciennes im 15. Jahrhundert sie als Saft oder Wein tranken oder als Tafeltrauben aßen. Aber allein die Sequenzierungsergebnisse, noch bevor historische Dokumente untersucht wurden, die erklären könnten, wie sich verschiedene Rebsorten verbreiteten, begeistern die wissenschaftliche Gemeinschaft bereits.

Die Geschichte des französischen Weins anhand seiner DNA

Basierend auf 54 Traubenkernen aus der Bronzezeit bis zum Mittelalter ermöglichte die Studie nicht nur, die Anfänge eines Stammbaums für verschiedene Trauben in französischen Weinbergen zu skizzieren, sondern auch den Austausch von Stecklingen im Mittelmeerraum zu kartieren.

Der Weinhandel Frankreichs mit dem Mittelmeerraum ist seit langem etabliert. Die große Anzahl ausgegrabener Amphoren zeugt von der Verbindung zu den antiken Griechen und Etruskern. Doch die DNA-Analyse der Traubenkerne hat ergeben, dass es einen Austausch domestizierter Rebsorten über große Entfernungen gibt, die insbesondere aus Spanien, dem Balkan, dem Kaukasus und dem Nahen Osten stammen.

Der Studie zufolge reicht die Verbreitung des domestizierten Weinanbaus sogar noch früher zurück. „Die vegetative Vermehrung, belegt durch genetisch identische Klone, die an verschiedenen Standorten und über Jahrhunderte hinweg gefunden wurden, entstand etwa in der Mitte der Eisenzeit und ist seitdem zu einem Eckpfeiler der Weinbaupraxis geworden.“ Der Artikel erklärt.