Der Prozess gegen Taleb Al Abdulmohsen, dem vorgeworfen wird, bei einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2024 in Magdeburg sechs Menschen getötet zu haben, hat am Montag in einem Hochsicherheitsgerichtssaal begonnen.
Der Verdächtige des Autoanschlags auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg im Dezember 2024, bei dem sechs Menschen, darunter ein Kind, getötet wurden, wurde am Montag in einem eigens dafür errichteten Hochsicherheitsgerichtssaal vor Gericht gestellt.
Der Angeklagte, Taleb Al Abdulmohsen, saß in einer sicheren Glasbox mit maskierten Justizbeamten in kugelsicheren Westen, als der Prozess um 9:30 Uhr begann.
Lokalen Medien zufolge sollten Dutzende Anwälte und Nebenkläger den Prozess in einem ansonsten „erstaunlich leeren“ Gerichtssaal verfolgen.
Der Angeklagte nutzte die Aufmerksamkeit der Medien, um vor und nach Beginn des Verfahrens wechselnde Nachrichten auf seinem Laptop-Bildschirm anzuzeigen, wobei sich „Sept. 2026“ möglicherweise auf die Landtagswahlen im nächsten Jahr bezog. Die Bedeutung anderer Nachrichten blieb unklar.
Der Tatverdächtige wurde am Morgen per Hubschrauber nach Magdeburg gebracht und in einer Autokolonne zum Gericht eskortiert.
Aus aggressivem Online-Auftritt wurde Gewalttat
Der Anklageschrift zufolge fuhr der 50-jährige saudi-arabische Psychiater Al Abdulmohsen, seit 2006 in Deutschland ansässig, am 20. Dezember 2024 im Zickzack mit einer Geschwindigkeit von bis zu 48 Stundenkilometern über den Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Zusätzlich zu den sechs getöteten Menschen wurden bei dem Angriff weitere 323 verletzt.
Der Tatverdächtige arbeitete als Facharzt in der Salus-Klinik in Bernburg, Sachsen-Anhalt, seit 2020 in der psychiatrischen Abteilung für Suchtkranke. Zuletzt war er krankgeschrieben.
Medienrecherchen und laufende Ermittlungen deuten darauf hin, dass Al Abdulmohsen in sozialen Netzwerken extreme Ansichten geäußert hat und den deutschen Staat, den Islam und Saudi-Arabien sowie Organisationen wie eine säkulare Flüchtlingsorganisation in Köln lautstark angegriffen hat. Er betrieb auch eine Website, die versprach, Menschen bei der Flucht aus seinem Heimatland zu helfen.
Al Abdulmohsen habe „überwiegend aus persönlichen Motiven“ gehandelt, berichtete Der Spiegel unter Berufung auf investigative Quellen.
Laut Volksstimme schickte der Verdächtige einen achtseitigen Brief an die Staatsanwaltschaft, in dem er den Angriff begründete und neue Drohungen formulierte. Er erklärte, er werde „den Weihnachtsmarkt erneut angreifen“, wenn sich die Gelegenheit dazu befände. Der Handschriftvergleich bestätigte die Echtheit des Briefes.
Eigens für das Verfahren wurde ein provisorisches Gerichtsgebäude errichtet. Der Komplex umfasst rund 4.700 Quadratmeter, der eigentliche Gerichtssaal misst rund 2.000 Quadratmeter und bietet Platz für bis zu 700 Personen.
Der Prozess wird voraussichtlich mehrere Monate unter hohen Sicherheitsmaßnahmen andauern.