Während die EU eine umfassendere Reform ihrer Chemikaliengesetzgebung vorbereitet, hat die Europäische Chemikalienagentur ihren Vorschlag zur Beschränkung „ewiger Chemikalien“ aktualisiert und neue Sektoren in den Geltungsbereich ihres geplanten Verbots aufgenommen.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat am Mittwoch ihren Vorschlag zur Beschränkung sogenannter „ewiger Chemikalien“ aus acht neuen Industrie- und Gewerbesektoren erweitert, da die lang erwartete Überarbeitung des wichtigsten EU-Gesetzes zur Chemikaliensicherheit, REACH, weiter an Fahrt gewinnt.
Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) wurden erstmals in den 1940er Jahren hergestellt und werden wegen ihrer Wasser-, Fett- und Hitzebeständigkeit geschätzt, weshalb sie in allem unverzichtbar sind, von Antihaft-Kochgeschirr und wasserdichter Kleidung bis hin zu Halbleitern und Feuerlöschschäumen.
Ihre extreme Beständigkeit in der Umwelt hat ihnen jedoch die Bezeichnung „Chemikalien für immer“ eingebracht.
Studien haben die PFAS-Exposition mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter Lebererkrankungen, hormonelle Störungen und bestimmte Krebsarten, was bei Wissenschaftlern und Aufsichtsbehörden gleichermaßen Alarm auslöste.
Ein Beschränkungsvorschlag für diese Chemikalien wurde ursprünglich im Januar 2023 von fünf europäischen Behörden eingereicht – Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden.
Die Ländergruppe, die zusammen als „Dossiereinreicher“ bezeichnet wird, überarbeitete ihren Plan, der auf über 10.000 PFAS-Stoffe abzielt, nachdem sie mehr als 5.600 Kommentare ausgewertet hatte, die während einer öffentlichen Konsultation gesammelt wurden.
Neue Sektoren werden geprüft
Der erweiterte Vorschlag der ECHA umfasst nun Druck-, Versiegelungs- und Maschinenanwendungen sowie bestimmte medizinische Anwendungen wie Primärverpackungen und pharmazeutische Hilfsstoffe.
Hinzu kommen militärische und Sprengstoffanwendungen sowie technische Textilien und breitere industrielle Anwendungen wie Lösungsmittel und Katalysatoren.
Diese Sektoren reihen sich in die wachsende Liste von Industriezweigen ein, die möglicherweise Beschränkungen im Rahmen des möglicherweise weltweit umfassendsten PFAS-Verbots ausgesetzt sind.
Während die Kernaussage des Vorschlags weiterhin ein umfassendes Verbot ist, hat die ECHA auch flexiblere Regulierungsoptionen geprüft.
Dazu gehört die Erlaubnis zur weiteren Verwendung von PFAS in bestimmten Branchen (z. B. Elektronik, Energie und Transport), sofern die Risiken angemessen kontrolliert werden können.
Ein weiteres aktualisiertes Dokument, das diese Szenarien detailliert beschreibt, dient nun als Grundlage für die Stellungnahmen der wissenschaftlichen Ausschüsse der ECHA, die den Plan möglicherweise weiter verfeinern.
Der Weg zur REACH-Reform
Das ultimative Ziel ist ein nahezu vollständiger Ausstieg mit zeitlich begrenzten Ausnahmeregelungen für wesentliche Anwendungen im Gesundheitswesen, in der Verteidigung und in High-Tech-Sektoren, für die es derzeit keine Alternativen gibt.
Die umfassendere Überarbeitung von REACH wird für Dezember 2025 erwartet, wenn die Europäische Kommission einen formellen Gesetzesvorschlag vorlegen wird, der die Weichen für die europäische Chemikalienpolitik in den kommenden Jahrzehnten stellt.
Es wird erwartet, dass diese Überprüfung die EU-Vorschriften modernisiert und vereinfacht und Änderungen wie eine zeitlich begrenzte Registrierungsgültigkeit, obligatorische Dossieraktualisierungen, digitale Sicherheitsdatenblätter und strengere Durchsetzungsmaßnahmen einführt.
Erste Entwürfe wurden bereits im April 2025 den nationalen Experten vorgelegt und markierten damit die letzte Phase der internen Konsultation.
Die Kommission hat bereits mehrfach bestätigt, dass die REACH-Überarbeitung Bestimmungen zur Klarstellung der Regulierung von PFAS enthalten wird, obwohl eine allgemeine Beschränkung voraussichtlich separat erfolgen wird.
Parallel dazu werden sektorspezifische Maßnahmen, wie das bestehende Verbot von PFAS in Feuerlöschschäumen, im aktuellen Rahmen weiter vorangetrieben.
Der aktualisierte ECHA-Vorschlag markiert einen entscheidenden Schritt in einer der bedeutendsten Regulierungsbemühungen für Chemikalien in der Geschichte Europas.