Der Aufschwung der Rechtsextremen – wer ist schuld? Im Ring treten die Abgeordneten gegeneinander an

Alle Augen sind auf die Wahl im kleinen ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gerichtet. Eine potenzielle absolute Mehrheit für die Rechtsextremen könnte die deutsche Politik aufrütteln und Europa erschüttern. Der Beginn einer neuen Krise?

Am Sonntag könnte Sachsen-Anhalt zum Zentrum eines politischen Erdbebens werden. Die AfD liegt in Umfragen bei über 40 Prozent und damit weit vor den Christdemokraten (CDU) von Friedrich Merz.

Ein derart starkes Ergebnis könnte der extremen Rechten zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg die Möglichkeit eröffnen, einen deutschen Staat zu regieren. Das würde eines der wichtigsten politischen Tabus im modernen Deutschland brechen – und ein starkes Signal nach Europa senden.

Eine stärkere AfD würde einen härteren Kampf um Migration, Klimapolitik und Unterstützung für die Ukraine bedeuten – und möglicherweise ein schwierigeres Deutschland, auf das sich die EU verlassen kann, in einer Zeit, in der Europa bereits einem enormen geopolitischen Druck ausgesetzt ist.

Ist Sachsen-Anhalt also lediglich ein Ausdruck der Frustration über das politische Establishment? Oder stehen wir vor einem Wendepunkt für Deutschland – und möglicherweise auch für Europa? Und wer ist schuld?

Dies sind die Kernfragen dieser Ausgabe von Der Ringmit zwei Mitgliedern des Europäischen Parlaments: Hildegard Bentele, eine deutsche Europaabgeordnete der Mitte-Rechts-Europäischen Volkspartei (EVP), und Jean-Marc Germain, ein französischer Europaabgeordneter der Sozialisten & Demokraten.

Im Europäischen Parlament ist Bentele stellvertretender Vorsitzender des Entwicklungsausschusses und Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie. Sie leitet außerdem die Delegation für die Beziehungen zu Israel.

Sie sagt: „Als Christdemokraten sind wir davon überzeugt, dass wir dem Aufstieg der Rechtsextremen in Sachsen-Anhalt, in Deutschland und in ganz Europa nur dann entgegentreten können, wenn wir den Menschen genau zuhören, realistische Lösungen anbieten und – basierend auf unseren Werten – eine optimistische Zukunftsvision präsentieren.“

Germain, ein Wirtschaftswissenschaftler, war Berater des ehemaligen französischen Premierministers Lionel Jospin und ist eine der Hauptfiguren innerhalb der Sozialdemokratischen Fraktion (S&D) im Europäischen Parlament, wo er als Fraktionsvorsitzender in Haushaltsfragen fungiert.

Germain sagt: „Solange es Europa nicht gelingt, wirtschaftliche Souveränität aufzubauen, wird die extreme Rechte in den durch Globalisierung und Deindustrialisierung verwüsteten Regionen gedeihen.“

Der Ring Gastgeber ist Stefan Grobe, produziert von Luis Albertos Altarejos und Amaia Echevarria und herausgegeben von Vassilis Glynos.